Ergebnisse Entlebuch (Kanton Luzern)

Auf dieser Unterseite finden sich die Ergebnisse der zweiten humangeographischen Übung, die im Rahmen der Exkursion in die Schweiz von Studierenden des Studienganges MSc Geographie des Globalen Wandels der Universität Freiburg i.Br. am 28.09.2018 im Entlebuch in den Gemeinden Eschholzmatt-Marbach und Flühli (beides Kanton Luzern) durchgeführt wurden. Mittels leitfadengestützter Experteninterviews wurde die sektorale Anpassungskapazität an die Auswirkungen des Klimawandels im UNESCO Biosphärenreservat Entlebuch empirisch untersucht. Dazu wurden in vier Kleingruppen die Sektoren Landwirtschaft und Tourismus jeweils in den Ortschaften Marbach und Sörenberg analysiert, die sich in der Entwicklungs- bzw. Pflegezone des Biosphärenreservats befinden. Im Folgenden werden zunächst die gewonnenen Erkenntnisse des Tourismussektors präsentiert, während anschließend die Ergebnisse aus dem Bereich Landwirtschaft beschrieben werden. In beiden Teilen werden zu Beginn die Methoden vorgestellt und abschließend kurze Fazits gezogen.

Sektor Tourismus

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Einleitung

verfasst von Thea Uhlich

Der weitere Verlauf unserer Reise führte uns in den Kanton Luzern, genauer gesagt in das UNESCO Biosphärenreservat Entlebuch. Kurz vor Ende unserer Exkursion sollte hier dann auch die Humangeografische Übung II stattfinden, welche anders als die erste Übung nicht nur den Tourismus- sondern auch den Landwirtschaftssektor unter die Lupe nehmen sollte. Unsere Gruppe untersuchte die touristischen Aktivitäten, wenngleich eine andere Zielsetzung im Raum stand. Während in der ersten Übung vor allem die Fragen “Adaptation to what?” und “Who or what adapts” im Vordergrund standen, sollten jetzt die Fragen “How does adaptation occur?” und “What is good adaptation?” in den Fokus genommen werden. (nach Fünfgeld und McEvoy, D. 2011). Genau wie in der ersten Übung sollten wieder Interviews geführt werden.

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Schlafen im Stroh

Methodik: Annahmen, Fragestellung, Leitfragen

verfasst von Thea Uhlich

Methodisch sind wir folgendermaßen vorgegangen:

Als erstes haben wir uns überlegt, welche Annahmen wir in Bezug auf Tourismus im Entlebuch wir treffen können und einigten uns auf die Folgenden:

  1. Der Tourismus ist sich den Auswirkungen des Klimawandels und dem daraus entstehenden Handlungsbedarf bewusst.
  2. Der Tourismus fokussiert sich nach wie vor auf Skitourismus.
  3. Betriebe haben sich durch die Einführung des Biosphärenreservats unterschiedlich auf die Gegebenheiten angepasst und gehen auf die differenzierte Nachfrage ein.
  4. Regionale Tourismusplanung und Kooperationen finden nicht statt.
  5. Touristische Betriebe planen sowohl mit einem kurzfristigen Horizont bezüglich kundenorientierter Änderungen als auch mit einem langfristigen Horizont bezüglich Investitionen und sehen die Verantwortung ihrer Entwicklung bei sich selbst.

Daraus entwickelten wir im Anschluss unsere übergeordnete Forschungsfrage:

Wie wirkt sich das Biosphärenreservat Entlebuch auf Tourismusbetriebe und ihre Anpassungskapazität hinsichtlich des Klimawandels aus?

Als nächstes überlegten wir uns, wie wir diese Fragestellung empirisch erfassen können. Die geplanten Expert*innen-Interviews sollten ca. 20 Minuten dauern. Um eine strukturierte Arbeitsweise zu gewährleisten entwickelten wir dazu zunächst die drei Themenblöcke: Klimawandelbewusstsein, Anpassungskapazitäten / Konkrete Maßnahmen und Biosphärenreservat, welche wir mit folgendem Fragenkatalog abfragen wollten:

Klimawandelbewusstsein

  1. Was bedeutet für Sie und ihren Betrieb der Klimawandel?
  2. Welche Auswirkungen des Klimawandels stellen Sie im Entlebuch fest?
  3. Wie beeinflussen die Auswirkungen des Klimawandels den Tourismus in der Region/ ihren eigenen Betrieb?
  4. Alternativ (falls keine KW-Auswirkungen festgestellt): Wie schätzen Sie die Entwicklung des Tourismus im Entlebuch ein?

Anpassungskapazitäten / Konkrete Maßnahmen

  1. Wie flexibel können Sie als Betrieb auf die Auswirkungen des KW und andere kurz- und langfristige Entwicklungen reagieren?
  2. Welche Visionen haben Sie für ihren Betrieb und wie/ mit welcher Strategie haben Sie vor, diese zu erreichen?
  3. Spielt der Klimawandel dabei eine Rolle? Wurden in der Vergangenheit bereits Maßnahmen umgesetzt und oder sind zukünftige Maßnahmen geplant? Andere Entwicklungen / Maßnahmen / Chancen / Risiken?
  4. Inwieweit beeinflussen anderen touristischen Leistungsträger ihre Handlungen und Ausrichtung?
  5. Bestehen eine Zusammenarbeit und ein Informationsaustausch zwischen den touristischen Leistungsträgern?

Biosphärenreservat

  1. Meinung und Stellung (Vor-/Nachteile) durch Biosphärenreservat? Andere Planungen?
  2. Inwieweit beeinflusst das Biosphärenreservat ihre (betrieblichen) Handlungen?
  3. Inwieweit finden die Zielsetzungen des Biosphärenreservates (Erhaltung Biodiversität, Kooperationen etc.) Beachtung in ihrer betrieblichen Planung?
  4. Beeinflusst die Zonierung des Biosphärenreservats die (touristische) Entwicklung ihres Betriebes?

Bei der Bearbeitung des Themas fanden wir es spannend herauszufinden, ob es Unterschiede zwischen verschiedenen Teilen des Biosphärenreservates gibt. Deshalb teilten wir die Gruppe und schickten je drei Studierende nach Marbach (Südwesten) und Sörenberg (Südosten). In Marbach hatten wir fest organisierte Termine bei zwei verschiedenen Tourismusbetrieben  und in Sörenberg haben wir auf gut Glück versucht Interviewpartner*innen zu finden. Trotz anfänglicher Skepsis hat das sehr gut funktioniert und so trafen wir uns am Nachmittag wieder in unserer Unterkunft und hatten vier Interviews geführt.

Diese haben wir dann am nächsten Tag in Gesprächsprotokollen zusammengefasst und mit Hilfe der Themenblöcke Klimawandelbewusstsein, Anpassungskapazitäten/konkrete Maßnahmen, Biosphärenreservat kodiert und ausgewertet – sie bilden im Folgenden die Struktur.

Ergebnisse

Klimwawandelbewusstsein – Marbach

verfasst von Laura Gumbert

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Zum Themenkomplex Klimawandelbewusstsein wurde vor Durchführung der Interviews folgende Annahme aufgestellt:

Der Tourismus ist sich den Auswirkungen des Klimawandels und dem daraus entstehenden Handlungsbedarf bewusst.

Diese Annahme konnte eindeutig bestätigt werden, da sich beide Interviewte über die Auswirkungen, die Bedeutung dieser und einer sich verändernden Entwicklung sowie eines sich daraus ergebenden langfristigen Anpassungsprozesses beziehungsweise Handlungsbedarfs bewusst sind.

Der Leitfadenfragebogen enthielt die folgenden Fragen:

Fragen nach Klimawandelbewusstsein

  1. Was bedeutet für Sie und ihren Betrieb der Klimawandel?
  2. Welche Auswirkungen des Klimawandels stellen Sie im Entlebuch fest?
  3. Wie beeinflussen die Auswirkungen des Klimawandels den Tourismus in der Region/ ihren eigenen Betrieb?
  4. Alternativ (falls keine KW-Auswirkungen festgestellt): Wie schätzen Sie die Entwicklung des Tourismus im Entlebuch ein?

Für den Themenbereich Klimawandelbewusstsein in Marbach kann das Resümee gezogen werden, dass sich beide interviewte Tourismusbetriebe über die Auswirkungen des Klimawandels für ihre Betriebe bewusst sind und diese durch bestimmte Anpassungskapazitäten und konkrete Maßnahmen, welche Themenblock Konkrete Maßnahmen spezifiziert werden, anzupassen.

Klimwawandelbewusstsein – Sörenberg

verfasst von Franziska F.

Zum Themenkomplex Klimawandelbewusstsein wurde vor Durchführung der Interviews folgende Annahme aufgestellt:

Der Tourismus ist sich den Auswirkungen des Klimawandels und dem daraus entstehenden Handlungsbedarf bewusst.

Im Rahmen der beiden Interviews stellte sich heraus, dass die Tourismusbetriebe den Klimawandel wahrnehmen und sind direkt auf die Auswirkungen und dem damit vorhandenen Handlungsbedarf zu sprechen gekommen. Der Hotelier/Restaurantbetreiber sieht v.a. für den Sommertourismus durch die in der Schweiz noch relativ kühlen Sommernächte Vorteile, wohingegen der Wintertourismus aufgrund der kürzeren Saison einen Nachteil habe. Der Aspekt Schneesicherheit hält er für die Region nicht für relevant und „überlebenswichtig“. Generell beschreibt er im Winter eine durchschnittlich längere Aufenthaltsdauer der Gäste sowie eine höhere Anzahl an Restaurantbesuchen von Touristen als in den Sommermonaten. Auch aufgrund der Weihnachtsfeiertage und den Skiferien im Februar ist der Wintertourismus ertragreicher. Allerdings erzählte der Hotelier auch, dass letztes Jahr der Sommertourismus zum ersten Mal ertragreicher gewesen ist als der Winter. Aufgrund der kürzeren Wintersaison beschreibt er die Auswirkungen auf das Verhalten der Touristen, was sich v.a. durch eine höhere Nachfrage nach  Bike-Tourismus äußert. Im zweiten Tourismusbetrieb wurde direkt erläutert, dass besonders die Klimaerwärmung in der Region eine Rolle spielt. Die Schneesicherheit sinkt, der Schnee fällt nicht mehr in tieferen Lagen und es gibt selten noch sehr kalte Winter. Diese Phänomene lassen sich v.a. seit drei bis vier Jahren feststellen. Als Beispiel hierfür wurde die Alpsüdseite genannt, die nun immergrün ist. Für den Sommertourismus sei es zudem stellenweise zu warm (besonders zum Wandern).

Zusammengefasst kann für den Themenbereich Klimawandelbewusstsein in Sörenberg gesagt werden:

  • Alle Befragten sind sich dem Klimawandel und den Auswirkungen bewusst, verfügen jedoch über kein detailliertes Wissen zum Klimawandel.
  • Der Klimawandel spielt eher eine Nebenrolle und wird nicht als ein zentrales Problem wahrgenommen.

Anpassungskapazitäten / Konkrete Maßnahmen – Marbach (Laura)

Bezüglich konkreter Maßnahmen der Tourismusbetriebe wurde folgende Annahme aufgestellt:

Der Tourismus fokussiert sich weiterhin auf den Skitourismus.

Diese Annahme konnte im Laufe der Interviews nicht bestätigt werden, der Fokus beider befragter Betriebe liegt eindeutig in der Anpassung und einer flexiblen Handlungen, indem sie auf die Wünsche der Gäste und die sich verändernde Nachfrage eingehen.

Der Leitfadenfragebogen enthielt die folgenden Fragen:

Fragen nach konkreten Maßnahmen

  1. Wie flexibel können Sie als Betrieb auf die Auswirkungen des KW und andere kurz-
    und langfristige Entwicklungen reagieren?
  2. Welche Visionen haben Sie für ihren Betrieb und wie/ mit welcher Strategie haben Sie vor, diese zu erreichen?
  3. Spielt der Klimawandel dabei eine Rolle? Wurden in der Vergangenheit bereits Maßnahmen umgesetzt und oder sind zukünftige Maßnahmen geplant? Andere Entwicklungen / Maßnahmen / Chancen / Risiken?
  4. Inwieweit beeinflussen anderen touristischen Leistungsträger ihre Handlungen und Ausrichtung?
  5. Bestehen eine Zusammenarbeit und ein Informationsaustausch zwischen den touristischen Leistungsträgern?

Für den Themenbereich konkrete Maßnahmen in Marbach kann zusammenfassend festgehalten werden:

Der Hotelbetrieb führte aufgrund von Abhängigkeiten zum Angebot des Seilbahnbetreibers –„Wir sind abhängig von der Seilbahn, solange diese Winterangebote anbietet, müssen wir mitziehen“ – und aufgrund fehlende finanzieller Ressourcen keine konkreten Anpassungsmaßnahmen durch. Die Existenz ist bei diesem auch durch die Gastronomie („ehrliche Schweizer Küche“) gesichert, die mehr als der Tourismus an sich für den Betrieb ausmacht. Die Betriebe beachten die Wünsche der Gäste nach einem „sanften Individualtourismus“ und achten darauf, die Bekanntheit und Besonderheit der Region für die Entlebucher regionalen Produkte zu pointieren: „man hat hier auch nie die Masse gesucht“

„Der Gast ist heute sehr sensibilisiert und interessiert sich dafür, wo das Produkt herkommt und schätzt die Regionalität.“. Auf die Auswirkungen des Entlebucher Biosphärenreservates wird in einem kommenden Beitrag näher eingegangen.

Beim befragten Tourismusbetrieb setzt eine langsame Transformation zur Stärkung des Sommertourismus ein. Dieser versucht bereits jetzt, auf die verändernde Nachfrage, die Saisonverschiebung bzw. –Verkürzung und das damit einhergehende Buchungsverhalten der Gäste einzugehen. Die Betriebe konzentrieren sich auf das Sommergeschäft und hat zum Ziel, den Sommerbetrieb zu intensivieren, wie folgendes Zitat eindeutig belegt: „Man muss ganz klar den Sommer stärken, das ist der richtige Dampfer, wir finanzieren den Winter mit dem Sommer“.

Anpassungskapazitäten / Konkrete Maßnahmen – Sörenberg

verfasst von Franziska F.

In Bezug auf konkrete Maßnahmen der Tourismusbetriebe wurde folgende Annahme aufgestellt:

Der Tourismus fokussiert sich weiterhin auf den Skitourismus.

Diese Annahme hat sich im Zuge der Interviews nicht bestätigt. Generell wird der Sommertourismus und die damit verbundenen Aktivitäten fokussiert.

In der Zukunftsplanung des Hoteliers spielt der Klimawandel eine untergeordnete Rolle. Es wurde zwar bereits ein Szenario auf der alleinigen Basis des Sommers durchgespielt, allerdings ist er der Meinung, dass dies möglich ist, aber Auswirkungen auf die Arbeitsplätze hätte. In den Betrieb wird nur noch werterhaltend investiert, was primär auf die bevorstehende Rente zurückzuführen ist. Maßnahmen, die konkret dem Klimawandel und dessen Auswirkungen zugeschrieben werden können, werden nicht ergriffen. Im zweiten Tourismusbetrieb wurde erläutert, dass im Hinblick auf die Klimaänderungen „die Region umdenken muss“, da sich die Saisons verschieben, bspw. endet die Sommersaison mittlerweile Mitte November und beginnt bereits früher. Viele Betriebe haben deshalb länger im Jahr geöffnet. Die Betriebe müssen sich dementsprechend mit flexiblen Öffnungszeiten anpassen, besonders im Hinblick auf die Seilbahnen, von denen viele Betriebe abhängig sind.

Zusammengefasst kann für den Themenbereich konkrete Maßnahmen in Sörenberg  gesagt werden:

  • Im Hotelbetrieb sind keine konkreten Anpassungsmaßnahmen vorhanden, da der Hotelbesitzer davon ausgeht, dass er auch ohne Wintertourismus bestehen kann.
  • Tourismusbetriebe passen sich flexibel an neue Saisonzeiten und den Öffnungszeiten der touristischen Leistungsträger an. Zudem besteht ein Umdenken mit Fokus auf die Sommersaison.

Biospärenreservat – Marbach

verfasst von Alina Grebe

Die in einem ersten Schritt getroffenen Annahmen zur Kategorie UNESCO Biosphärenreservat Entlebuch waren beispielsweise, dass sich der Tourismus und die touristischen Betriebe durch die Einführung des Reservats verändert haben bzw. beeinflusst werden. Eine weitere Annahme war, dass sich der Tourismussektor an den Zielsetzungen des Reservats orientiert aber auch Zielkonflikte zwischen beiden Akteuren/Stakeholdern entstehen können. Hierbei wurde vor allem unterschiedliche Anpassungsfähigkeiten innerhalb der Zonierung (Kern-, Pflege- und Entwicklungszone) vermutet. Die aus den Annahmen formulierten Fragen waren:

  • Meinung und Stellung (Vor-/Nachteile) durch Biosphärenreservat? Andere Planungen?
  • Inwieweit beeinflusst das Biosphärenreservat ihre (betrieblichen) Handlungen?
  • Inwieweit finden die Zielsetzungen des Biosphärenreservates (Erhaltung Biodiversität, Kooperationen etc.) Beachtung in ihrer betrieblichen Planung?
  • Beeinflusst die Zonierung des Biosphärenreservats die (touristische) Entwicklung ihres Betriebes?

Exkurs

Biosphärenreservate sind von der UNESCO geschaffene Modellregionen, in denen eine nachhaltige und exemplarische Entwicklung hinsichtliche ökologischer, sozialer aber auch ökonomischer Aspekte verwirklicht werden soll. Durch diesen interdisziplinären Ansatz entsteht eine zusätzliche räumliche Einheit neben dem klassischen Naturschutz, die den Menschen als wichtigen und prägenden Bestandteil der Biosphäre sieht. So werden gesellschaftliche und ökonomische Fragestellungen mit in die Zielsetzungen des Biosphären-Programms aufgenommen. Besonders Bürgerbeteiligung und Partizipation stehen im Fokus des Programms. Übergeordnete Ziele bleiben jedoch die biologische Vielfalt, der Erhalt von Ökosystemfunktionen, die partizipative Gestaltung und Weiterentwicklung der Kulturlandschaft sowie die Anpassung und Minderung des Klimawandels.Der Entwicklungsfunktion und der Forschungs- und Bildungsfunktion kommt eine hohe Bedeutung kommt.  Zur räumlichen Verwirklichung dieser Ziele werden die Reservate in drei Zonen aufgeteilt:

  1. Kernzone → Naturschutzzone
  2. Pflegezone → Landschaftsschutz → Sörenberg
  3. Entwicklungszone → sozioökonomische Nachhaltigkeit → Marbach

Während der Befragungen konnte bereits die erste These des Einflusses der Biosphäre auf die Tourismusbetriebe positiv bestätigt werden. Die Befragten innerhalb der Entwicklungszone in Marbach waren besonders vom Destinationsmanagement und dem gemeinsamen und ganzheitlichen Marketingpool der Biosphäre überzeugt, so sagte eine der Befragten: „es ist eine Kraft entstanden, die sonst nicht möglich wäre“. Besonders die regionale Marke “Echt Entlebuch” und der Albabtrieb als Event sind seit der Entstehung der Biosphäre  feste Bestandteile des touristischen Marketings geworden. Wobei die Befragten aber auch andeuten, dass der Albabtrieb in Marbach aufgrund der Entfernung zu Schüpfheim  keinen besonderen Einfluss hat.

Ein geäußerter Verbesserungswunsch bzw. Kritikpunkt der Tourismusbetreiber war, dass es innerhalb der organisatorischen Ebenen der Biosphäre keinen zentralen Ansprechpartner gibt. Durch die oft sehr spontan und kurzfristig gestellten Anfragen der Biosphäre an die Betreibe und das Fehlen einer zentralen Position werden die Aushandlungsprozesse nach Aussage der Befragten oft unnötig verlängert und verkompliziert.

Die Eingangs aufgestellte Annahme, dass das Biosphärenreservat Auswirkungen auf Zielsetzungen der Tourismusbetreiber hat konnte zum Teil verworfen werden. Dies zeigte besonders das Beispiel des Flowtrails, durch das geschlossen werden konnte, dass nicht der institutionelle Rahmen oder Restriktionen der Biosphäre bzw. der Zonierung auf Planungsvorhaben einwirken. Einer der Befragten sagte diese betreffen, dass nicht die Entwicklungszone entscheiden sei, sondern der Naturschutz. Bezogen auf die Moorlandschaft und den Naturschutz sagte einer der Befragten: „Wir sagen immer: das ist ja hochrote Zone hier“.

Biospärenreservat – Sörenberg

verfasst von Henrike Zimmer

Bei der Befragung in Sörenberg, dessen Lage sich innerhalb der Pflegezone befindet, wurde deutlich, dass das Biosphärenreservat aus Sicht der touristischen Leistungsträger durchgehend als positiv bewertet wird. Ein Hotelbesitzer bezeichnet das Biosphärenreservat als „Eine gute Sache“, auch wenn er es nicht als „Weltrevolution“ einstufen würde. Vorteile für den Tourismus ergeben sich aus seiner Sicht insbesondere daraus, dass das Entlebuch als zusammenhängende Tourismusregion wahrgenommen wird und touristische Leistungsträger sich durch die „Echt-Entlebuch-Produkte“ besser positionieren können. Sein eigener Betrieb sei jedoch kein Partner des Biosphärenreservats , da die vollständige Umstellung auf „Echt-Entlebuch-Produkte“ für ihn ein zu großes Risiko darstelle. Dies liegt u.a. daran, dass er mit seinem Restaurant auf überregionale Produkte angewiesen ist. Dennoch versucht er, wenn möglich nur regionale Produkte zu verwenden, dessen Erzeuger in der Speisekarte aufgeführt werden und wirbt mit dem Logo des Biosphärenreservats in seiner Speisekarte. Die Lage in der Pflegezone sieht er ebenfalls als großen Vorteil für Sörenberg. Er findet „je restriktiver eine Zone ist, desto mehr kann ein Betrieb davon profitieren“, insbesondere längerfristig, wenn die Natur erhalten bleibt. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass durch die Pflegezone touristische Vorhaben scheitern können. Dies zeigt das Beispiel eines Mountainbikeprojektes, welches nichts realisiert werden konnte, da der Ausbau einer Downhillstrecke einen zu großer Eingriff in die Natur bedeutet hätte.

Auch der zweite befragte touristische Betrieb bewertete das Biosphärenreservat als sehr gut für die Region. Insbesondere sei es dadurch möglich den Sommertourismus weiter auszubauen, indem thematische Führungen und Vorträge über die Region angeboten werden können. Auch für die derzeit sehr bedeutende Zielgruppe der Senior*Innen die als fit, vermögend und reisefreudig beschrieben werden, bietet das Biosphärenreservat eine gute Marketinggrundlage. Beispielsweise können für diese Zielgruppe extra thematische Angebote entwickelt werden. Die Zonierung in Kern-, Pflege- und Entwicklungszone wird hier weder als positiv oder negativ bewertet. Vielmehr wird angemerkt, dass es insgesamt viele Gesetze im Hinblick auf den Naturschutz gebe, die zu Einschränkungen in der Landwirtschaft führen.

Synthese

verfasst von Konstantin Hanebeck

Wie im einleitenden Beitrag zu dieser Befragung bereits erläutert wurden vor der Befragung in einem Aushandlungsprozess bestimmte Annahmen getroffen. Aus diesen Aussagen wurde in der Folge die Fragestellung:

Wie wirkt sich das Biosphärenreservat Entlebuch auf Tourismusbetriebe und ihre Anpassungskapazität hinsichtlich des Klimawandels aus?

Zu den Themenblöcken Klimabewusstsein, Anpassungskapazitäten/Konkrete Maßnahmen und Biosphärenreservat wurde dann ein Leitfaden für die Befragung erstellt, der die verschiedenen Themenbereiche umfasst.

Ein Vergleich zwischen den Aussagen der Befragten gestaltet sich schwierig, da die Tätigkeitsfelder der Tourismusbetriebe sehr unterschiedlich sind. Auswirkungen des Klimawandels sowie mögliche Handlungs- und Anpassungskapazitäten sind daher sehr verschieden. Die Wahrnehmung der Auswirkungen des Klimawandels fällt ebenfalls unterschiedlich aus. Dennoch ließen sich aus den Interviews einige Synthesen ableiten:

  1.     Klimawandelbewusstsein

Der Klimawandel ist allen Akteur*innen bekannt, allerdings werden die Folgen auf den Betrieb unterschiedlich wahrgenommen und als unterschiedlich relevant bewertet.

  1.     Anpassungskapazitäten / Konkrete Maßnahmen

Werden die Auswirkungen des Klimawandels als relevant betrachtet, werden mehr Anpassungsmaßnahmen getroffen, abhängig von finanziellen Ressourcen und Größe des Betriebes. Ebenfalls maßgeblich sind die direkte Betroffenheit durch Auswirkungen aufgrund von Klimaänderungen und die Abhängigkeit von anderen touristischen Leistungsträgern wir bspw. auch Bergbahnen.

  1.     Biosphärenreservat

Das Biosphärenreservat wird durchgehend als positiv für den Tourismus, insbesondere aber für den Sommertourismus bewertet. Die Einteilung in Entwicklungs- und Pflegezone schlägt sich vor allem in unterschiedliche Möglichkeiten der Tourismus-Fokussierung nieder. Das Destinationsmanagement und Marketing des Biosphärenreservats hat die Reichweite und Professionalität der Möglichkeiten der Betriebe erhöht.

Sektor Landwirtschaft

Methodik: Annahmen, Fragestellung & Leitfragen

verfasst von Catarina Clément

Blog 2.1Um die Klimaanpassungskapazität von Landwirt*innen im Biosphärenreservat Entlebuch zu untersuchen, wurden Landwirt*innen in Sörenberg und in Marbach zu ihren Anpassungsstrategien befragt. Dabei sollten wir darauf achten, ob es einen Anpassungsprozess gibt, wie sie sich anpassen, welche Akteure dabei relevant sind, wie mit Risiken umgegangen wird und welche Anreize vielleicht bereits im System vorhanden sind. Wir wollten zudem herausfinden, ob in einem solch besonderen Gebiet wie einem Biosphärenreservat bereits Strukturen für Klimaanpassung vorhanden sind. Die schwierige Frage, „was ist gute Anpassung?“, begleitete uns dabei. Die zwei unterschiedlichen Befragungsorte wurden ausgewählt, da untersucht werden sollte, ob im Verhalten der Landwirt*innen ein Unterschied zwischen der Plege- und Entwicklungszone des Biosphärenreservates Entlebuch zu erkennen ist.

Wir haben in der Gruppe folgende Annahmen formuliert:

  1. Die Anpassungsmaßnahmen erfolgen eher reaktiv
  2. Die Klimaänderungen und Wetterextreme werden nicht mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht
  3. Die Identifizierung mit dem Biosphärenreservat ist heterogen.
  4. Gute Anpassung entspricht einem Kosten-Nutzen-Verhältnis und besteht auf einer kurz- bis mittelfristigen Perspektive.

Blog 2.4

Daraus entwickelten wir folgende Fragestellung: Wie agieren Landwirt*innen in Bezug auf klimatische Veränderungen und welche Handlungsspielräume sehen sie? Gibt es Unterschiede zwischen den Biosphärenzonen?

Folgend entwickeln wir die Fragestellungen für die Befragung. Dabei einigten wir uns darauf, dass wir die Befragten nicht durch unser Anregen auf den Klimawandel und ihre Anpassung bringen wollten, sondern durch unsere Fragen ihre persönliche Reaktion erfahren wollten. Deswegen erwähnten wir zu Beginn des Gesprächs nicht, dass wir uns mit Klimawandelanpassung auseinander setzen. Diese Herangehensweise hat jedoch auch dazu geführt, dass einige Landwirt*innen im Gespräch stark auf andere Themen gekommen sind und nicht viel über klimatische Ereignisse gesprochen haben. Deshalb könnte man überlegen, ob die Möglichkeit die Thematik gleich anzusprechen eventuell zu einem größeren Erfolg führen, da die Personen sich darauf einstellen können und überlegen könnten, was Ihnen alles dazu einfällt.

Als erstes stellten wir die Frage, welche Arten von landwirtschaftlichen Betrieb die Blog 2.3Befragten führen, und ob sie eine weitere Einnahmequelle besitzen. Damit wollten wir Ihre Vulnerabilität gegenüber den Klimaänderungen untersuchen, da wir davon ausgegangen sind, dass Milchviehbetriebe evt. eine andere Vulnerabilität besitzen als Betriebe die Nahrungsmittel produzieren. Deshalb wollten wir folgenden auch wissen, welche Veränderungen in dem Betrieb in den letzten Jahren passiert sind, um herauszufinden, ob diese in Zusammenhang mit Klimaveränderungen entschieden wurden. Des Weitern wollten wir versuchen herauszufinden, ob die Befragten von sich aus auf extreme Wetterereignisse und Klimaveränderungen kommen, wenn wir sie nach ihren Problemen und Herausforderungen fragen. Um mögliche Anpassungsmaßnahmen zu erfahren, fragten wir folgend wie sie mit diesen Problemen und Herausforderungen umgehen und ob sie dabei Unterstützung bekommen, z.B. von Nachbarn, Verbänden oder politischen Institutionen). Um auf die zukünftige Veränderung des Klimas zu kommen, wollten wir als nächstes wissen, welche zukünftigen Herausforderungen die Befragten für Ihren Betrieb sehen, und welche Strategie/Pläne sie haben um damit umzugehen. Wir versuchten damit Anpassungsstrategien zu erfragen ohne konkret auf den Klimawandel einzugehen.

Blog 2.2Folgend wollten wir nochmal näher auf den Einfluss des Biosphärenreservates kommen. Deswegen fragten wir nach der Einstellung zum Biosphärenreservat und ob sie eine Auswirkung ihrer Lage im Biosphärenreservat auf ihren Betrieb wahrnehmen. Des Weiteren wollten wir wissen ob das Biosphärenreservat den Befragten hilft mit den bereits genannten Herausforderungen umzugehen, und welche Unterstützungsangebote sie sich wünschen würden.

Reflektierend würden wir sagen, dass viele Befragte nicht auf konkrete Anpassungsstrategien kamen, weshalb wir uns überlegt haben, dass bei einer weiteren Studie das Vorstellen konkreter Szenarien sinnvoll wäre, um die Befragten damit zu konfrontieren und sich nach ihren Strategien zu erkundigen. Außerdem kann es sinnvoll sein, mit außergewöhnlichen und einzigartigen Akteuren vorher einen Termin zu vereinbaren.

Ergebnisse

Landwirtschaftliche Betriebe im Entlebuch – Marbach & Sörenberg

verfasst von Wanja Leippold

Fakten zu Landwirtschaftlichen Betrieben

Die Betriebe der befragten Landwirt*innen betreiben überwiegend Milchwirtschaft. Manche von ihnen biologisch, andere konventionell. Neben Kühen halten einige auch (Mast-)Schweine und Ziegen. Zwei Betriebe erzeugen Natura Beef aus Schweine- und Mutterkuhhaltung. Die Betriebe sind eher klein strukturiert und haben circa zehn bis 40 Tiere. Ein Betrieb besitzt zum Beispiel zehn Milchkühe. Der Landwirt erwähnte, dass es keine Hochleistungsrinder seien. Sein Ziel ist es mit eigenem Futter seine Tiere zu ernähren und nur wenig Kraftfutter zuzukaufen. Manche Betriebe unterhalten/belassen Magerwiesen und werden für diese Art des Naturschutzes finanziell entlohnt. Subventionen und Anreize spielen generell für die Betriebe eine wichtige Rolle. So wird zum Beispiel nach Bundesverordnung biologisch produziert, da der Betrieb dann vom Kanton mehr finanzielle Unterstützung erhält. Gleichzeitig sind aber bei einer biologischen Produktion auch die Produktionskosten für die Betriebe höher.

Eine Interessante Erkenntnis bei dieser Befragung ist, dass fünf von sechs befragten Betrieben bzw. Landwirt*innen eine Nebeneinnahmequelle bzw. einen Nebenerwerb haben – überwiegend im Tourismus. Die Landwirt*innen betreiben zum Beispiel ein Gasthaus oder Restaurant, oder arbeiten zusätzlich noch bei einer Berg- bzw. Seilbahn. Andere präparieren Langlaufloipen im Winter oder betreiben einen Bus für Schneeschuhläufer*innen. Andere Holzen oder arbeiten im Winter in einer Schreinerei.

Veränderungen in der Natur

Die Befragung zielte auch darauf ab zu erfahren, ob die Landwirt*innen Veränderungen in der Natur wahrnehmen bzw. wahrgenommen haben – was die Befragung bestätigte. Laut Landwirt*innen gibt es mehr Wetterextreme in Form von Gewittern und Stürmen, die vermehrt zu Überschwemmungen und Hochwasser führen. Aber auch längere Trockenheit und Hitze. Ein Landwirt erklärt, dass das Wetter unbeständiger geworden ist und macht dies daran fest, dass es heute drei bis vier Wochen überhaupt nicht regnen kann, dann aber mehrere Tage sehr viel. Was es so vor 15 Jahren noch nicht gegeben hat.

Längere Sommer werden teilweise positiv wahrgenommen, da in dieser Zeit mehr Futter produziert werden kann, so auch der Sommer 2018. Trockene Sommer werden zwar auch als „nicht gut“ wahrgenommen, allerdings sind sie besser als schlechtes (nasses) Wetter: „[…] lieber zu trocken als zu nass, dann macht nämlich das Vieh alles kaputt“. Sehr trockene Sommer waren zum Beispiel 1976 und 2003.

Eine Erkenntnis ist, dass die Landwirt*innen sagen, dass es Veränderungen in der Natur schon immer gegeben hat und beschreiben dies zum Beispiel als „natürliche Schwankungen“ – nicht alle sehen hier eine Verbindung zum Klimawandel.

Veränderungen in Betrieben

Die Betriebe der befragten Landwirt*innen erfuhren keine gravierenden Veränderungen in letzter Zeit.  Ein Betrieb stellte zum Beispiel im Jahr 2012 auf eine biologische Produktion um und vergrößerte seine Fläche durch Pacht.

Auffallend ist hier, dass die meisten Betriebe ihre Einkommensquellen diversifizieren. Ein Landwirt betreibt seit einige Jahren zusätzlich ein Restaurant. Andere Betriebe wollen in Zukunft auch Mutterkühe züchten, um nicht nur ein Milchviehbetrieb zu sein. Der Sohn eines anderen Landwirtes möchte in Zukunft evtl. auf Ziegen umstellen, da die Ziegenmilch gesünder ist und einen Nischenmarkt bedient.

Landwirtschaftliche Herausforderungen – Marbach & Sörenberg

verfasst von Miriam Eder

Die Ergebnisse unserer Befragung sind geprägt durch die sehr gute Heuernte in 2018, verursacht durch den warmen Sommer und lokal regelmäßige Niederschläge. Hierdurch, wie durch die prognostizierte Verlängerung der Vegetationsperiode, wird der Klimawandel – sofern er als solcher wahrgenommen wird – für die Landwirtschaft in der Region positiv gesehen. Die Veränderungen werden von einigen als als Klimawandel bezeichnet, von anderen als Wetterphänomene, die es auch in den 1960er Jahren bereits gab.

Diejenigen, die die Dürre in diesem Jahr in der Umgebung erwähnen, beziehen die ausfallenden Heuernten nicht auf den eigenen Betrieb und erkennen hingegen kleinräumige Veränderungen. Dass auf den Alpen Trockenheit und Schnee den Boden so beeinträchtigen kann, dass das Vieh abstürzt, ist nichts Neues, so dass aufgrund häufigerer Trockenperioden keine neuen Anpassungen notwendig wären. Extremer werdende und länger andauernde Wetterlagen werden von mehreren Betrieben erwähnt. Neu sind Schäden durch Hagel wie 2015. Dadurch dass dieser lokal auftritt, ist zwar nie die gesamte Region betroffen, allerdings muss Futter in solchen Fällen von außerhalb zugekauft werden, da die Betriebe im Entlebuch ihre Ernte selber benötigen.

Auf die sich ändernden Bedingungen wird nicht besonders reagiert, vielmehr werden extreme Wetterlagen hingenommen. Auch überwiegt die Einstellung, dass die Natur macht, was sie will und dass der Mensch keinen großen Einfluss auf die Bedingungen hat. Diese Einstellung mag einerseits an Erfahrungen liegen, wird aber andererseits durch strukturelle Bedingungen in der Landwirtschaft verstärkt.

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Blick nach Südwesten vom Salwideli (links) auf Hochkant (mittig) und Schrattenfluh (rechts)

Allgemein wird als Problem die wechselnde Agrarpolitik genannt. Durch die Richtungswechsel und neue Regulierungen besteht eine andauernde Unsicherheit, wie der Betrieb ausgerichtet werden soll. Dies hängt auch mit der Abhängigkeit von Subventionen zusammen. Die für die Erhaltung der Subventionen notwendige Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen wird teilweise als negativ beschrieben, für andere sind diese in Ordnung, solange sie die Gelder erhalten. Dass diese abhängig von Flächen vergeben werden und nicht mehr auf Basis der Tiermenge, wird als nachteilig für kleinere Betriebe empfunden. Zwei Betriebe bezeichnen Ihre Situation allerdings auch als allgemein gut. Für Betriebe, die auch Wald besitzen, war einerseits die teilweise Unterstützung durch die Armee nach den Stürmen 1987, 1990, 1999, 2017 und der Umgang mit dem Borkenkäfer bedeutend, andererseits wurde der begrenzte eigene Handlungsspielraum kritisiert und dass letztendlich jeder Betrieb den Schaden selber zahlen muss.

In der Schweiz müssen hohe Löhne gezahlt werden, wodurch die Produkte teuer werden. Durch Importverträge der Schweiz mit günstiger produzierenden Ländern wird der Welthandel teilweise als größter Feind betrachtet. Mit der wirtschaftlichen Situation wird unterschiedlich umgegangen. Auffällig ist, dass sich keiner der Betriebe intensivere Gedanken für die Zukunft macht. Zwar existiert in einem Betrieb die Idee, durch eine intensivere Wirtschaft mit Ziegen weniger abhängig vom Markt zu werden, diese wird aber derzeit nicht konsequent verfolgt. Einem anderen machen die hohe Arbeitslosigkeit und schließende Betriebe Angst. Ein weiterer Betrieb versucht, durch Wachstum und größere Produktionsmengen das Einkommen zu halten. Als problematisch wird dabei lediglich die steigende persönliche Arbeitsbelastung gesehen. Von einem Betrieb wird als negativ angemerkt, dass Bio und Nachhaltigkeit von Kunden nachgefragt werden.

Für manche Betriebe ist die Bürokratie im Allgemeinen ein Problem, für einzelne besonders, hierfür den Computer nutzen zu müssen. Der Beruf wird allgemein als einer betrachtet, der nicht am Schreibtisch stattfinden sollte. Gleichzeitig fühlen sich manche bei Entscheidungen als Landwirtschaft übergangen, da diejenigen, die die Entscheidungen treffen, die landwirtschaftliche Praxis nicht kennen. Einem Betrieb bereitet die Bewirtschaftung der Steillagen mit Maschinen Schwierigkeiten, eine Bewirtschaftung mit Ziegen, Schafen oder Rindern wird aber nicht in Erwägung gezogen. Maschinen werden insgesamt meistens nicht geteilt, da diese von allen Betrieben gleichzeitig benötigt werden.

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Blick nach Südwesten in Richtung Briefengrat und Chruteren Pass

Oberhalb von Sörenberg ist zudem der Wolf ein Thema. Da die Tiere durch diesen unruhig werden, sind nicht nur mögliche Verluste ein Problem, sondern es werden auch Konflikte mit Touristen gesehen, die Hunde ausführen. Auch fühlen sich Einzelne unsicherer bei der Heuernte. Im Grimselgebiet, wo manche Alpen haben, gibt es zusätzlich Herausforderungen durch den Bär. Diese allgemeinen und individuellen Bedingungen bewegen die Betriebe deutlich mehr, als potentielle Folgen des Klimawandels.

Allerdings ist die Landwirtschaft in allen Betrieben nicht die einzige Erwerbsquelle, viele sind vom Skitourismus abhängig und manche beobachten die derzeitige klimatische Entwicklung kritisch oder haben diesbezüglich Sorgen, andere sind so alt, dass sie diese Probleme den jungen überlassen und davon ausgehen, dass sie selber versorgt sind. Die Antworten lassen bei einigen Betrieben eine starke Pfadabhängigkeit vermuten, so dass mögliche Anpassungen an den Klimawandel bei diesen zu größeren Problemen führen könnten als bei denjenigen, die sich kontinuierlich an die Verhältnisse anpassen. Bedingt durch das gute Wetter am Tag der Befragung und die geringe Anzahl kann es jedoch sein, dass die Einstellungen weitaus diverser sind, als hier beschrieben.

Unterstützung innerhalb der Landwirtschaft im Entlebuch und ihre Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel

verfasst von Roxana Zimmermann

Unbenannt
Blick nach Norden auf Schrattenfluh-Kette von Blattenegg

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft sind bei verschiedenen Schweizer Behörden bereits ein Thema. Und auch Strategien zur Anpassung – wie der Anbau von neuen Sorten oder eine umsichtige Nutzung von Wasser – kommen zur Sprache.

Aber wie denken eigentlich Landwirt*innen selbst über Herausforderungen im Zusammenhang mit klimatischen Veränderungen und Naturereignissen? Wie gehen sie damit um, und welche Handlungsspielräume gibt es um auf Entwicklungen in der Zukunft zu reagieren? Im Rahmen einer Befragung hakten wir mit einer Studi-Gruppe bei insgesamt 6 Betrieben im Biosphärenreservat Entlebuch nach. Denn schließlich sind sie es die tagtäglich und jahrein jahraus mit den klimatischen Gegebenheiten in ihrer Region zu tun haben. Ihr Wissen und Handeln wird also auch in Zukunft ausschlaggebend sein, um sich auf neue landwirtschaftliche Bedingungen einzustellen.

Ein überraschendes Ergebnis unserer Umfrage: Im Moment haben die Entlebucher Landwirt*innen gar kein so großes Problem mit dem Klima. Anderenorts regnete es heuer zu wenig und hohe Temperaturen machten Mensch, Tier und Acker zu schaffen. Nicht so im Entlebuch: Hier fuhren viele Betriebe mehr Heu ein als gewöhnlich und sehen sich gut gerüstet für den Winter. Da aber auch Ortschaften, die nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt liegen betroffen waren, kann man nicht ausschließen, dass auch auf die Entlebucher Landwirtschaft zukünftig mal schwierigere Jahre zukommen könnten.

Auf welche Unterstützung könnten Betriebe in diesem Fall zählen?

Einigkeit herrschte bei den Befragten darüber, dass die Nachbarschaftshilfe mit anderen Betrieben selbstverständlich sei und gut funktioniere. Z.B. als 2014 nach einer Trockenphase Futter und Wasser gespendet wurden. Daher spielen auch die lokalen Bauernverbände eine große Rolle, wenn es um den Austausch von Informationen geht. Verständlicherweise ist das vielen Landwirt*innen lieber als von „Expert*innen“ beraten zu werden, die wenig mit der Landwirtschaft vor Ort zu tun haben. „Wir machen selber den Berater“, sagte uns ein Wirt. Auch die Landwirtschaftsschule wird als neutrale Anlaufstelle wahrgenommen.

Andererseits besteht wegen der Wichtigkeit von Beiträgen und Subventionen für die Landwirt*innen eine Abhängigkeit von der nationalen Agrarpolitik. Daher wünschten sich viele eine verlässlichere und kontinuierliche politische Ausrichtung und Unterstützung, wenn es mal zu Betriebsausfällen kommen sollte. Dass die Schweizer Armee im Auftrag des Bundes nach Sturm Vivian half Totholz zu schlichten, wurde von einem betroffenen Landwirt positiv aufgenommen. Nach Lothar hätte es dagegen „einen Knall gegeben mit dem Borkenkäfer“ als die Unterstützung ausblieb.

Ausblick

Die engen sozialen Verflechtungen können für die Entlebucher Landwirt*innen in Zukunft eine wichtige Ressource sein, wenn es darum geht auf langfristige Klimaveränderungen zu reagieren und sich im Notfall zu unterstützen. Dabei wird es insbesondere auch an den Bauernverbänden liegen Informationen zu vermitteln – vorausgesetzt sie erkennen und bewerten sich abzeichnende Herausforderungen rechtzeitig. Allerdings schränkt die finanzielle Abhängigkeit von Subventionen, auf die Landwirt*innen letztendlich auch ihre Produktion ausrichten, den Handlungsspielraum ein. Somit wird es auf einen ernst gemeinten Austausch aller Ebenen – lokal, regional und national – ankommen, um auf zukünftige Herausforderungen durch den Klimawandel zu reagieren.

Einstellungen zum und Erwartungen vom UNESCO Biosphärenreservat Entlebuch

verfasst von Julian Spöcker

Im Rahmen unserer Interviews mit Landwirt*innen in Sörenberg und Marbach versuchten wir unter anderem die Einstellungen der Befragten zum Biosphärenreservat Entlebuch sowie die Erwartungen, welche diese an das Biosphärenreservat stellen, zu erfahren. Es fiel auf, dass das Biosphärenreservat überwiegend positiv oder zumindest nicht negativ wahrgenommen wird. Die meisten der Befragten bezogen eine positive Grundhaltung und äußerten sich zustimmend über Entwicklungen, welche dem Biosphärenreservat zugeschrieben werden. So wurden beispielsweise häufig die Auswirkungen, welche dieses auf die Stärkung des Tourismus in der Region hat, erwähnt. Dies scheint für viele Landwirt*innen deshalb bedeutsam zu sein, da diese einerseits häufig nebenerwerblich vom Tourismus abhängen und andererseits eine höhere Gästezahl mit einer höheren Chance zur Vermarktung von regionalen Produkten verknüpft wird. Dabei schien es den Befragten nicht besonders wichtig zu sein, dass die Landwirtschaft weniger vom Biosphärenreservat zu profitieren scheint als der Tourismus. Darüber hinaus fanden auch die Naturschutzbemühungen des Biosphärenreservats positive Erwähnung, wobei die Stimmen hier weiter auseinandergingen. Auffallend war, dass einige der Befragten in ihrer Wahrnehmung die Rolle des Biosphärenreservats mit Pro Natura und anderen Organisationen verwechselten und dem Biosphärenreservat im ersten Moment manchmal zuschrieben, für Einschränkungen und Restriktionen in der Landwirtschaft verantwortlich zu sein. Zweimal berichtigten sich die Befragten im Anschluss sogar selbst und erwähnten, dass eigentlich andere Organisationen für diese als negativ empfundenen Auflagen verantwortlich sind. Manche erwähnten zudem, dass landwirtschaftliche Betriebe nur dann vom Biosphärenreservat profitieren könnten, wenn diese eine direkte Zusammenarbeit vereinbaren. Auch dies wurde von den Befragten jedoch nicht als negativ gewertet, da diese zumeist an einer solchen nicht interessiert waren. Als leicht negativ wurde jedoch angemerkt, dass eine Zusammenarbeit nur größeren landwirtschaftlichen Betrieben möglich wäre bzw. für kleinere Betriebe nicht sinnvoll sei.

Bezüglich der Erwartungen an das Biosphärenreservat waren die Antworten im Allgemeinen sehr zurückhaltend. Wir hatten den Eindruck, dass sich die meisten der Befragten bisher nicht sehr intensiv damit auseinandergesetzt haben, inwiefern sie vom Biosphärenreservat profitieren könnten. Auch die Möglichkeit sich im Rahmen des Forums Landwirtschaft auszutauschen bzw. einzubringen spielte für die Befragten keine Rolle, da diese sich zumeist über andere Wege beraten lassen und sich austauschen. Einer der Interviewten merkte an, dass er keinen Kontakt mit dem Biosphärenreservat wünscht, ohne jedoch eine negative Grundhaltung dem Biosphärenreservat gegenüber einzunehmen.

Insgesamt fiel auf, dass sich die befragten Betriebe weder sonderlich intensiv mit dem Biosphärenreservat Entlebuch auseinandergesetzt haben noch sich besonders mit den Tätigkeiten des Biosphärenreservats identifizieren. Während sich die Befragten grundsätzlich positiv über das Bestehen des Biosphärenreservats äußerten, wurde offensichtlich, dass diese keine besonderen Erwartungen an das Biosphärenreservat stellen. Um das Interesse der befragten Betriebe zu wecken, müsste eine Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat ermöglicht werden, welche diese als profitabel erachten bzw. Leistungen durch das Biosphärenreservat angeboten werden, welche nicht im Rahmen anderer Institutionen wie den Bauernverbänden oder Vereinen bereits bestehen und dort bevorzugt in Anspruch genommen werden.dav

Biosphärenreservat Entlebuch: Auswirkungen auf landwirtschaftliche Betriebe

verfasst von Hanna Platte

In unserer Befragung von Landwirt*innen in Marbach und Sörenberg im Entlebuch haben wir die Befragten unter anderem danach gefragt, inwiefern sich das Biosphärenreservat Entlebuch, in welchem alle landwirtschaftlichen Betriebe ja liegen, sich auf den jeweiligen Betrieb auswirkt und ob es den Landwirt*innen hilft, mit Herausforderungen umzugehen.

Vor der Befragung hatten wir die Annahme, dass sich die Antworten je nach Pflegezone (Marbach) oder Schutzzone (Sörenberg) unterscheiden würden, dies können wir im Nachhinein jedoch nicht bestätigen.

Auf die Frage, ob die Lage des eigenen landwirtschaftlichen Betriebs im Biosphärenreservat irgendwelche Auswirkungen auf die Landwirtschaft, wurde eigentlich von allen Landwirt*innen zunächst gesagt, dass das Biosphärenreservat keinerlei Auswirkungen auf sie habe. Nur ein Landwirt war direkter vom Reservat betroffen, da er „direkt neben dem Tourismus-Hotspot eingeklemmt“ sei, durch sein Land gehe ein Lift, wo es dann eine Freihaltezone für seine Weidebewirtschaftung gäbe. Seine Frau wiederum arbeite auch mit dem Biospärenreservat zusammen und biete „Schule auf dem Bauernhof“ an. Insgesamt sahen viele der befragten Landwirt*innen eher die positive Seite des Biosphärenreservats, indem es vermehrt Tourist*innen in die Region lockt. Dies liegt wohl vor allem daran, dass eigentlich alle Interviewpartner*innen auch nebengewerblich mit Tourismus zu tun haben. Die Verbindung, dass diese vermehrte Präsenz der „Marke Entlebuch“ sich auch direkt positiv auf die landwirtschaftlichen Erzeuger*innen im Entlebuch auswirken könnte, hat dabei nur einer der Befragten gezogen.

Einige der Landwirt*innen haben dahingegen kritisiert, dass das regionale Label „Echt Entlebuch“ zu viele Vorschriften für die landwirtschaftlichen Betriebe mit sich bringe und es für die Direktvermarktung zu viele Bedingungen gäbe. Vor allem für kleinere Betriebe, wie wir sie befragt haben, scheint es schwierig zu sein, die Vorschriften mit wenig Mitteln und begrenzter Arbeitskraft zu erfüllen. Generell waren jedoch viele der Landwirt*innen positiv gegenüber einem regionalen Label eingestellt, dies müsse sich jedoch preislich auch für die kleinen Betriebe lohnen und es wurde auch der Wunsch geäußert, dass es einfacher weniger Vorschriften für das Label geben sollte.

Ein Aspekt, der noch mehrfach von den befragten Landwirt*innen genannt wurde und das allgemein positive Bild vom Biosphärenreservat bestätigt, ist die Aussage, dass das Entlebuch durch das Reservat ein größeres Gemeinschaftsgefühl entwickelt habe. Vor allem die beiden Betriebe in Marbach haben hervorgehoben, dass durch das Reservat mehr Zusammenarbeit in der Region geschähe. Sie meinten, dass somit die einzelnen Gemeinden mehr miteinander kommunizieren würden und es auch weniger Konkurrenzdenken geben würde.

Was weiterhin noch interessant zu beobachten war, war dass die Landwirt*innen vermehrt das Biosphärenreservat mit Naturschutz allgemein in Verbindung brachten bzw. verwechselten und deshalb in mancher Hinsicht dem Reservat fälschlicherweise etwas kritisch gegenüber standen. Der Schutz der Hochmoore, welcher ja schon vor der Ausschreibung des Biosphärenreservats stattfand, wurde als positiv gesehen, solange er die Landwirtschaft nicht einschränke. Im Großen und Ganzen war der Konsens jedoch, dass sich das Biosphärenreservat Entlebuch nicht auf die jeweilige Landwirtschaft auswirkt, weder negativ noch positiv. Dennoch wurden dem Reservat einige positive Möglichkeiten zugesprochen, die Landwirt*innen sahen durchaus Chancen darin, gemeinschaftlich regionale Produkte zu vermarkten und durch die ‚Marke Entlebuch‘ zu profitieren. Es wurde von einem Landwirt auch gesehen, dass das Reservat eine Plattform biete, um sich auszutauschen und bei Problemen Hilfe zu bekommen – dieser Landwirt ist auch Mitglied im Landwirtschaftsforum, während die anderen Befragten diese positiven Aspekte nicht nannten.

Insgesamt wirkt sich das Biosphärenreservat nach Meinung der Landwirt*innen sich zwar nicht auf die Landwirtschaft aus, aber durchaus auf den Tourismus und die Zusammenarbeit in der Region. Dadurch trägt es wohl auch zu einer Diversifizierung der landwirtschaftlichen Betriebe bei, wobei die kleineren Betriebe nicht so viele Entfaltungsmöglichkeiten sehen. Der Wunsch nach mehr Möglichkeiten der Zusammenarbeit aller Landwirt*innen und dass das Biosphärenreservat mehr auf die Landwirt*innen zuginge, wurde des Öfteren in den Interviews hervorgehoben.

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Fazit & mögliche Perspektiven für zukünftige Forschungsprojekte

verfasst von Sarah Olbrich

Rückblick auf Forschugsfrage und Annahmen

Unsere Annahmen, die wir vor Durchführung der Interviews aufgestellt haben, konnten wir nach Auswertung der Interviews teils bestätigen, manche mussten jedoch negiert werden.

Wie eingangs vermutet, werden Wetter- und Klimaänderungen durch die befragten Landwirt*innen nicht unbedingt auf den Klimawandel zurückgeführt. Auch die Vermutung, dass Landwirt*innen situativ auf Schwierigkeiten und Herausforderungen agieren konnten wir bestätigen, allerdings können wir dieses Ergebnis nicht auf Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel übertragen, da die Befragten diesbezüglich keinen Handlungsbedarf sahen. Auch mussten wir feststellen, dass keine große Identifizierung mit dem UBE stattfindet, wenngleich es als positiv für den Tourismus und für die Gemeinschaft und die Zusammenarbeit in der Region gesehen wird. Auch die letzte Hypothese, dass eine „gute“ Anpassung an den Klimawandel nach Meinung der Landwirt*innen einem gutem Kosten-Nutzen-Verhältnis entsprechen und auf eine kurz-bis mittelfristige Perspektive ausgelegt sein sollten, muss negiert werden. Die befragten Landwirt*innen agieren sehr situativ und nicht strategisch, außerdem spielt Anpassung an den Klimawandel keine Rolle bei der Entscheidungsfindung.

Dementsprechend ist die erläuterte Fragestellung nicht beantwortbar, da Wetteränderungen nicht mit dem Klimawandel in Verbindung gesetzt werden. Es konnten kein Unterschied in den Aussagen und Einschätzungen der Landwirt*innen in der Pflege- und Entwicklungszone festgestellt werden.

Mögliche Perspektiven

Die Ergebnisse überraschten uns, da die Landwirtschaft in der Literatur als ein Sektor beschrieben wird, der stark vom Klimawandel betroffen ist und gleichzeitig eine hohe Anpassungskapazität hat, da er situativ und relativ schnell auf äußere Umstände reagieren kann. Basierend auf den Erfahrungen in den Interviews haben wir uns gefragt, welche Aspekte in weiteren Forschungsprojekten näher untersucht werden könnten:

  • Gibt es einen Unterschied bezüglich der Wahrnehmung des Klimawandels zwischen Viehbetrieben und auf Anbau spezialisierte Betriebe?
  • Ist die Anpassungskapazität in größeren Betrieben höher?
  • Welche Rolle spielen Bauervereine und Bauerverbände in der Klimaanpassung in der Landwirtschaft? Wie wird von ihnen über den Klimawandel berichtet?

Laut den Landwirt*innen sind Bauervereine und –verbände eine wichtige Informationsquelle und Austauschplattform für sie. Uns hat überrascht, dass die Landwirt*innen keinen Zusammenhang zwischen den Wetterveränderungen und dem Klimawandel gesehen. Daher stellt sich die Frage, ob und wie Bauervereine und –verbände über den Klimawandel berichten, ob sie Anpassungsmöglichkeiten vorschlagen und wie sie diese kommunizieren.

  • Welche Rolle spielt die Agrarpolitik bei der Anpassung an den Klimawandel?
  • Wie stehen Landwirt*innen zum Klimawandel in anderen Regionen der Schweiz? Sehen sie einen größeren Handlungsbedarf?

Im Zusammenhang dazu wäre eine vergleichende Studie spannend, indem regionale Unterschiede festgestellt werden können und Anpassungsmaßnahmen und -kapazitäten verglichen werden können.