Ergebnisse Goms (Kanton Wallis)

Auf dieser Unterseite finden sich die Ergebnisse der ersten humangeographischen Übung, die von den Studierenden des Studienganges MSc Geographie des Globalen Wandels der Universität Freiburg i.Br. am 23.09.2018 im Goms (Oberwallis) durchgeführt wurden. Mittels leitfadengestützter Interviews wurde die Wahrnehmung aktueller Betroffenheit und/oder heutiger bzw. zukünftiger Risiken bzgl. der Auswirkungen des Klimawandels im Goms empirisch untersucht. Dazu wurden in drei Kleingruppen die Aussagen von Besucher*innen/Tourist*innen, Bewohner*innen und Tourismusbetrieben in den Gemeinden Münster-Geschinen und Obergoms analysiert. Im Folgenden werden zunächst die gewonnenen Erkenntnisse aus Interviews mit Besucher*innen und Tourist*innen dargestellt. Danach folgen die Ergebnisse aus Gesprächen mit Bewohner*innen, während abschließend die Ergebnisse aus den Befragungen von Tourismusbetrieben beschrieben werden.

Interviews mit Besucher*innen/ Tourist*innen

I. Einleitung

verfasst von Henrike Zimmer

Der fünfte Exkursionstag stand ganz im Zeichen der empirisch-humangeographischen Geländeübung. Ziel unserer 4er-Gruppe war es zu erörtern, inwieweit die Touristen im Goms die Änderungen des Klimas und die daraus entstehenden Naturrisiken wahrnehmen und ob sich die Wahrnehmung dieser Naturrisiken auf ihr zukünftiges Reiseverhalten auswirkt.

Der wissenschaftliche Rahmen der Feldstudie war die Theorie des FRAMING nach Fünfgeld und McEvoy 2011. Dabei galt es vor allem die Frage nach der Anpassung an was und der Frage nach dem wer oder was sich anpasst zu beantworten. Um diese Fragestellung zu beantworten wurden am Vorabend der Befragung Hypothesen sowie ein Interviewleitfaden entwickelt.

Am Morgen ging es schließlich in Richtung Furka-Pass hoch in die Berge zum Parkplatz am Rhônegletscher. Dieser Standort eignete sich gut als Befragungsort, da hier eine hohe Frequenz an Touristen vorzufinden war. Anzutreffen waren Touristen mit unterschiedlichen Intentionen wie beispielsweise Familienurlauber, Reisegruppen und Motorsportliebhaber.

In zwei Zweierteams gingen wir auf die Touristen zu. Während einer der Interviewer*Innen das Gespräch führte, schrieb der/ die Ander/e ein Gesprächsprotokoll und notierte die wichtigsten Aussagen stichpunktartig. Auf diese Art und Weise konnten sieben problemzentrierte Interviews sowohl mit Einzelpersonen, Paaren und mit Kleingruppen (ca. 3-4 Personen) durchgeführt werden. Zurück in der Unterkunft wurden die festgehaltenen Gesprächsprotokolle zu Gedankenprotokollen ausformuliert um diese anschließend nach den Kategorien „Landschaftsänderungen“, „Risikowahrnehmung“ und „Reiseverhalten“ zu kodieren. Die Findung der Kategorien erfolgte deduktiv aus der Ableitung der Fragestellung.

Zur Analyse wurden die unter den Kategorien zutreffenden Aussagen der Befragten im Text farblich markiert und sortiert. Anschließend wurden die Kernaussagen jeder Kategorie zu einem Fazitsatz zusammengefasst. Die Ergebnisse der Analyse wurden am Abend der Exkursionsgruppe vorgestellt und im Kontext der anderen Gruppenergebnisse reflektiert und diskutiert. Die Ergebnisse werden im Anschluss dargestellt.

Hypothese:

  • Touristen im Goms nehmen den Klimawandel wahr, sind sich den daraus entstehenden Risiken jedoch nicht bewusst. Daher haben die klimabedingten Naturrisiken keinen Einfluss auf das Reiseverhalten der Touristen

Forschungsfrage:

Inwiefern nehmen Touristen im Goms den Klimawandel und die damit verbundenen Risiken wahr und wirken sich diese auf ihr Reiseverhalten aus?

Interviewleitfaden:

  1. Ist das ihr erster Besuch in der Region (Goms)?
    Wenn ja –> weiter zu Frage 2
    Wenn nein –> können Sie Veränderungen in der Region feststellen?
  2. Warum haben Sie sich für die Region Goms als Reiseziel entschieden?
  3. Wie nehmen Sie die Landschaft um sich herum wahr?
  4. Birgt die Landschaft aus Ihrer Sicht auch Risiken/ Gefahren?
    Wenn ja –> Beeinflussen diese Risiken ihre zukünftigen Reiseentscheidungen?Wenn nein –> Können Sie sich vorstellen in Zukunft nochmal hier Urlaub zu machen?

    Rhonegletscher, eigene Aufnahme

    Blick auf die Überreste des Rhône-Gletschers im Oberwallis

II. Klimawandel & Landschaftsveränderungen

verfasst von Konstantin Hanebeck

Im ersten Themenkomplex wurde abgefragt, inwiefern die Interviewpartner*innen Landschaftsveränderungen in der Region festgestellt haben, vor allem, falls Sie bereits schon einmal in der Region zu Gast waren. Der Leitfaden, welcher für die Interviews entwickelt wurde gab die Einstiegsfragen vor, ob die Besucher*innen bereits einmal in der Region waren und ob Sie Veränderungen in der Region (seit ihrem ersten Besuch) festgestellt hätten. Falls die Antworten keinen Landschafts- oder Naturbezug hatten, wurde direkt auf landschaftliche Veränderungen oder Veränderungen am Gletscher gefragt.

Für den Großteil der Interviewpartner*innen war es nicht der erste Besuch in der Region Goms und somit konnten gut Fragen über die Landschaftsänderungen gestellt werden.

Der Rückzug und das voranschreitende Abschmelzen des Gletschers wurde von den meisten Besucher*innen wahrgenommen und in ihren Antworten genannt. Eine der Aussagen zu den Landschaftsänderungen war beispielsweise: „Ja klar, dass mit dem Gletscher natürlich“ oder auch „Ja, man sieht das dem Gletscher schon an. Wir hatten dieses Jahr auch einen speziellen Sommer.“ Die Aussagen wurden teils konkretisiert, dass der Gletscher beim letzten Besuch beispielsweise noch bis ins Sichtfeld ragte, oder gar ca. 150m dicker war und bis weiter hinunter ins Tal ging (vor 30-45 Jahren). In einem Interview wurde der Rückzug des Gletschers allerdings mit der Aussage relativiert, dass es auch im Neolithikum bereits Verschiebungen in der Baumgrenze und Temperatur gegeben hätte. Eine Gruppe von Interviewpartner*innen gab zudem an, keinerlei Änderung, auch nicht am Gletscher, festgestellt zu haben.

Noch häufiger als der Rückgang des Gletschers wurde in den Antworten allerdings genannt, dass sich die Infrastruktur der Region sich deutlich verändert und verbessert habe. Es wurde angesprochen, dass die Straße in früheren Zeiten noch aus Erde bestand, die Infrastruktur nun aber deutlich besser ausgebaut sei, die Straßen zum Auto- und Motorradfahren nun deutlich besser seien und dass es mehr Cafés, Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten gäbe. Zusätzlich zu der verbesserten Infrastruktur wurde allerdings ebenfalls genannt, dass nun deutlich mehr Tourist*innen in die Region kommen würden und auch das touristische Angebot größer geworden ist. Vereinzelt wurde auch genannt, dass die Region nicht mehr so wild wie früher sei und es schon zu viele Menschen seien, die die Region besuchen würden. Einschränkend wurde zudem einmal erwähnt, dass in der Region zwischenzeitlich „sehr viel verbaut“ sei.

Als Synthese aus den sehr diversen Aussagen bezüglich der Landschaftsänderungen, welche in Bezug auf Klimawandelauswirkungen abgefragt wurden, lässt sich schlussfolgern, dass die Touristen die landschaftlichen Veränderungen lediglich durch den Rückgang der Gletscher und den Ausbau der (touristischen) Infrastruktur wahrnehmen.

III. Risikowahrnehmung

verfasst von Thea Uhlich

Mit den Fragen drei und vier wollten wir herausfinden, inwiefern Besucher*innen der Region Goms durch die beschriebenen Landschaftsänderungen auch Risiken wahrnehmen. Durch die Bank wirkten die Befragten eher überrascht über die Fragen, da sie sich sehr sicher fühlen und sich keiner persönliche Gefahr ausgesetzt sehen. Vereinzelt wurden Stichwörter wie Steinschlag oder Abtauen des Permafrosts genannt und auch in direkten Zusammenhang mit dem Klimawandel gesetzt. Trotzdem wurde kein Gefühl der persönlichen Betroffenheit deutlich, was unterschiedlich begründet wurde. Einer der Befragten hielt es für unwahrscheinlich, dass genau dann etwas passiere, wenn er in der Region unterwegs sei. Bei zwei Befragten kam heraus, dass Schweizer Institutionen ein Gefühl der Sicherheit vermitteln würden.  Die „Schweizer Präzision“ im Risikomanagement würde dazu führen, dass entstehende Risiken frühzeitig identifiziert und bearbeitet würden. Bei drohenden Steinschlägen etwa, würden bestimmt betroffene Straßen gesperrt und somit das potentielle Risiko eingedämmt. Interessanterweise wurde in diesem Zusammenhang als Gegenbeispiel das vorherige Reiseziel Italien genannt, bei dem die Sicherheit nicht so hoch wie in der Schweiz sei.

Wenn die Befragten Risiken identifiziert haben, wurden diese meistens nicht auf das Phänomen des Klimawandels zurückgeführt. In den Bergen gäbe es sowieso ein erhöhtes Risiko von Naturgefahren betroffen zu sein, war die Aussage einer Befragten. Wie unvollständig die Wissenslage bei den Befragten Touristen war zeigt auch die Aussage eines jungen Pärchens. Diese sehen nur im Winter Risiken etwa durch Lawinen, im Sommer jedoch überhaupt keine Risiken.

Eine Mehrzahl der Befragte Tourist*innen kam selber aus der Schweiz. Während der Exkursion haben wir mehrfach gehört, dass die Schweiz aufgrund seiner geografischen Besonderheiten mehr vom Klimawandel betroffen ist als andere Länder. Bereits jetzt ist es in dem Alpenland um etwa 1,8 Grad Celsius wärmer als noch zu Beginn der Messungen 1864 – im globalen Mittel ist die Temperatur jedoch „nur“ um 0,9 Grad Celsius angestiegen. Betrachtet man diese Zahlen ist es schon erstaunlich, dass nicht mehr über die Risiken bei den Befragten bekannt war. Vor allem, weil die Auswirkungen nicht nur in der Gletscherschmelze sichtbar werden, sondern auch in anderen Bereichen wie der Landwirtschaft oder steigender sommerlicher Hitze in Städten.

Aus den getroffenen Aussagen konnten wir so für das Thema „Risikowahrnehmung“ folgendes Fazit ziehen: Naturrisiken generieren keine persönliche Betroffenheit und werden nur vereinzelt als Gefahren wahrgenommen. Insgesamt besteht ein hohes institutionelles Vertrauen in die Schweizer Katastrophenvorsorge.

Vielleicht ist es aber trotzdem wichtig  seine eigene Perspektive noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Wenn man zwei Wochen lang durch ein Land fährt, sich mit dem Klimawandel beschäftigt und überall Gefahren und Risiken identifiziert, erscheint es unmöglich, dass es andere Menschen nicht tun. Im (sicher wohlverdienten) Urlaub ist es jedoch auch mal erlaubt, sich keine Gedanken zu machen und einfach den immer noch eindrucksvollen Gletscher und die Sonne zu genießen. Das gelang uns dann glücklicheweise auch noch sehr gut.

IV. Reiseverhalten

verfasst von Alina Grebe

Im dritten Themenkomplexes der Befragung wurde erfragt, inwiefern die Risikowahrnehmung Einfluss auf das zukünftige Reiseverhalten der Touristen im Goms hat. Für die Analyse des Reiseverhaltens dienten vornehmlich die Interviewfragen eins und vier, die bereits in der Einleitung aufgeführt wurden.

Generell ist zu sagen, dass alle Befragten einen weiteren Aufenthalt in der Region Goms nicht ausschließen und auf die Frage hin durchweg positiv antworteten. Jedoch war die Mehrzahl der Interviewten auch nicht zum ersten Mal in der Region. Die Tourist*innen erwähnten, dass der Katastrophenschutz in der Schweiz gut etabliert sei und sie sich dadurch sicher fühlen bzw. keine persönlichen Risiken wahrnehmen. Auch das Wissen über potentielle Gefahren wie beispielsweise das Auftauen alpiner Permafrostböden oder die Felsstürze in Graubünden beeinflusst das Reiseverhalten der Touristen kaum bis gar nicht. Dies belegt beispielsweise die folgende Aussage einer Touristin: „[…] man weiß schon, dass die Berge porös werden, aber Erosion kann man ja nicht aufhalten.“. Auch die Möglichkeit von einem negativen Naturereignis persönlich betroffen zu sein wird als nicht gegeben gesehen.

Ähnlich wie bei Terroranschlägen, durch die Destinationen nur einen kurzfristigen Rückgang der Besucherzahlen zu verzeichnen haben, ist es auch hier der Fall, dass klimabedingte Extremereignisse schnell in Vergessenheit geraten und sich der Tourismus erholt. Dieses Phänomen wird durch die folgende Aussage verdeutlicht: „[…] Graubünden Felssturz war bekannt, da überlegt man kurz, aber wenn man wieder hier ist denkt man überhaupt nicht mehr daran.“. Eine der Befragten antwortete sogar, dass lediglich Todesfälle/ Katastrophen und deren mediale Präsenz sie von einem Urlaub in der Schweiz abhalten oder zum Überlegen bringen würden.

Wahrgenommen werden auch klimawandelunabhängige Veränderungen der Landschaft., wie beispielsweise  infrastrukturellen Veränderungen. Die Befragten wiesen z.B. auf die sehr gut ausgebauten Straßen hin, welche nach Aussage der Befragten auch viel bzw. teilweise schon zu viel genutzt werden.

Für das Reiseverhalten formulierten wir folgendes Fazit:

Gletscherrückgang und Landschaftsänderungen sowie entstehende Naturrisiken     beeinflussen das Reiseverhalten von Touristen nicht. Die Risiken und Gefahren werden zudem kaum bis gar nicht wahrgenommen oder reflektiert.

V. Fazit zu Interviews mit Tourist*innen/ Besucher*innen

verfasst von Alina Grebe

Zur eingangs gestellten Hypothese lässt sich schließlich sagen, dass Tourist*innen im Goms den Klimawandel nur bedingt wahrnehmen bzw. landschaftliche Veränderungen nicht zwangsläufig mit dem Klimawandel in Verbindung bringen. Zusätzlich werden auch strukturelle Veränderungen der touristischen Infrastruktur wahrgenommen. Klimabedingte Veränderungen und Naturrisiken lösen bei den Touristen keine persönliche Betroffenheit aus, daher haben diese auch keinen Einfluss auf das Reiseverhalten der Touristen.

Interviews mit Bewohner*innen

I. Befragung der Bevölkerung in Münster (Goms) zum Thema Gefahrenwahrnehmung

verfasst von Catarina Clément

Blog 1.2Auf unserer Exkursion in die Schweiz haben wir eine Befragung im Goms gemacht. Meine Gruppe hat sich mit der einheimischen Bevölkerung beschäftigt. Dazu haben wir 8 Leute in Münster befragt. In meinem Blogbeitrag beschäftige ich mich mit der Gefahrenwahrnehmung der Befragten. Sie wurden in der Interviews über die „besonderen Naturereignisse“ der letzten Jahre befragt, und wie dies für sie sei.

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Von den acht Befragten sind alle dort auch aufgewachsen oder kommen aus der Region. Daher haben sie die dort bereits aufgetretenen Naturereignisse miterlebt und erwähnten größtenteils, dass sie sich daran gewöhnt hätten (Interview 2,3,4,6,7,8). Dies steht im Gegensatz zu dem Umgang der Feriengäste, welche bei einer Straßensperrung sofort Panik bekämen (Interview 6). Ein Befragter erwähnte als ein positiven Effekt, dass er früher nicht zur Schule musste bei einem Extremereignis, und heute nicht zu Arbeit (Interview 8). Diese grundsätzlich gelassene Einstellung gegenüber den auftretenden Ereignissen wird bei fast allen Interviews deutlich. Zitate wie, „das ist Natur“ oder „Wir leben am Bach hier Dorf, da kann man ja nicht einfach wegziehen“ (Interview 5) zeigen, dass die Bevölkerung sich mit den Ereignissen arrangiert hat, egal ob Hochwasser oder Lawinen. Dadurch könnte das Bedürfnis nach möglicherweise notwendigen Anpassungen und Schutzmaßnahmen nicht so groß sein. Dafür müsste vermutlich ein sehr großes und folgenreiches Ereignis, wie der Lawinenwinter von 1999, auftreten. Damals bekamen viele Menschen Panik, weil sie zwei Wochen ohne Strom leben mussten (Interview 5).

Nur zwei der Befragten nahmen die Ereignisse als ernsthafte Gefahr war (Interview 1,7). Sie machen sich zum Beispiel Gedanken, wenn sie am Bach vorbeilaufen (1). Im Interview 7 kam raus, dass er vor allem den Gletschersee als Gefahr wahrnimmt. Jedoch betonte er auch, dass er vor allem Angst hätte, dass der Klimawandel negative Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Arbeitsplätze und die Entwicklung der Gemeinde (Fusionierungen) hätte. Ein „mulmiges Gefühl“ stellt sich bei Ihm vor allem wegen den unvorhersehbaren Auswirkungen des Klimawandels ein.

In einem Interview, von jemand, der im Ort aufgewachsen ist, und für den diese Ereignisse „zum Leben dazugehören“, wurde von den Erfahrungen des Vaters berichtet. Dieser ging vor allem bei Gewitter regelmäßig an den Bach, um nach dem Pegelstand zu schauen. Der Befragte ist somit bereits mit der bedrohlichen Wirkung des Bachs aufgewachsen (4).

Eine Befragte erwähnte auf die Frage nach dem Umgang mit den „besonderen Naturereignissen“ ihre Angst vor dem Wolf. Sie würde sich nicht alleine in den Wald trauen (1). Dies bezieht sich jedoch nicht auf klimatische und geomorphologische Naturereignisse und ist deshalb für diese Untersuchung nur von geringer Bedeutung. Außer, dass deutlich wird, dass für einige Menschen neben den Naturereignissen auch noch andere Gefahren wichtig sind.

Da die Befragten fast alle im Ort aufgewachsen sind, könnte aus den bisherigen Ergebnissen der Interviews geschlossen werden, dass mindestens ¾ der Ortsansässigen mit den Gefahren gut umgehen können. Keiner der Befragten erwähnte einen möglichen Umzug aufgrund der Gefahren. Weiterführend wäre interessant zu untersuchen, wie die weiteren Bewohner dieses Ortes und anderer Nachbarorte, mit den Gefahren umgehen. Auch die Gefahrenwahrnehmung von Zugezogenen wäre ein weiteres interessantes Forschungsfeld.

II. Naturereignisse in Münster (Goms)

verfasst von Wanja Leippold

Bei der humangeographischen Geländeübung in Münster (Goms) ging es unter anderem darum, herauszufinden, mit welchen Naturereignissen die Bewohner*innen konfrontiert sind und waren.

Vergangene Naturereignisse/-gefahren in Münster (Goms)

Für das Dorf Münster war das Hochwasser vom 25. August 1987 die bisher größte, von einem Naturereignis ausgelöste, Katastrophe. Alle befragten Bewohner*innen erzählten von diesem Ereignis – und erwähnten dieses auch als erstes. Ausgelöst wurde dieses durch einen Abbruch des Münstergletschers, woraufhin die vom Eis verdrängten Wassermassen durch den Minstigerbach zum Dorf strömten und dieses überfluteten.

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Das Schmelzwasser des Münstergletschers fliest durch den Minstigerbach in die Rhone

Auch 2008 gab es ein Hochwasser, das durch einen Dammbruch am Gletschersee verursacht wurde und das ganze Tal überschwemmte. Der Minstigerbach war für das Dorf schon immer bedrohlich, vor allem bei Gewitter.

In den Wintern spielen Lawinen jedes Jahr eine große Rolle. Von den Dorfbewohner*innen werden hier vor allem die Jahre 1945, 1951/52 und 1999 als schwere Lawinenwinter genannt, in denen es fast drei Meter Schnee und „große Lawinen“ gab. Eine Dorfbewohnerin beschreibt auch die 1970er Jahre mit schlimmen Lawinen. Der Winter von 2018 wurde ebenfalls als „schlimmer Winter“ beschrieben, da es auf den Dächern bis zu zwei Metern Schnee gab.

Das Jahr 2018 war neben dem intensiven Winter auch von Trockenheit und Hitze geprägt. Doch auch schon im 19. Jahrhundert gab es Trockenheit in dieser Region, weshalb Menschen nach Argentinien auswanderten. In den Befragungen wurde auch der Wolf als Naturereignis wahrgenommen, da er in letzter Zeit öfters gesichtet wurde.

Umgang mit Naturereignissen/-gefahren in Münster (Goms)

Der Umgang mit den zuvor genannten Naturereignissen ist geprägt von der Zusammenarbeit zwischen den Orten in der Region. Man versucht sich bei den verschiedensten Ereignissen gegenseitig zu unterstützen und zu helfen. Dies passiert zum Beispiel mit einer gemeinsamen Feuerwehr. Für den Minstigerbach gibt es mittlerweile ein Alarmsystem für Hochwasser, der die Dorfbewohner*innen über mögliche Hochwasser informiert. Bezüglich des Baches hebt eine Dorfbewohnerin auch das Erfahrungswissen hervor. Eine milchige Flussfarbe dient zum Beispiel als Vorwarnung für Hochwasser. Solches Wissen kann auch als traditionelles bzw. lokales Wissen beschrieben werden. Die Befragungen brachten außerdem hervor, dass bei Lawinengefahr entsprechende Straßen gesperrt werden. Weitere Aussagen der Dorfbewohner*innen bezüglich des Umgangs mit Naturereignisse sind, dass man sich auf die Veränderungen einstellen muss, aber auch, dass der „Mensch schnell vergisst“.

III. Veränderungen in der Natur – Wahrnehmung lokaler Bevölkerung in Münster (Goms)

verfasst von Hanna Platte

Bei unserer Befragung zu der Wahrnehmung von Naturgefahren in dem kleinen Ort Münster im Goms sind wir nach der allgemeinen Frage nach besonderen Naturereignissen in den vergangenen Jahren auf die wahrgenommenen Veränderungen in der Natur eingegangen. Hierbei kamen diverse und auch kontroverse Antworten der Befragten, welche ich im Folgenden kurz vorstellen werde. Dabei werde ich versuchen, die genannten Natur- und Klimaveränderungen in eine logische Reihenfolge zu bringen.

Vorab noch kurz die Zusammenfassung der Interviewpartner*innen: Wir haben in Münster mit sechs Einzelpersonen und zwei Ehepaaren gesprochen, die alle bis auf ein Ehepaar zurzeit ständig im Ort wohnen und auch dort aufgewachsen sind (das Ehepaar wohnt nur im Sommer in Münster).

Auf die Frage nach Veränderungen von Naturereignissen über die Zeit haben zwei der Befragten gesagt, dass es auf jeden Fall wärmer werde. Außerdem wurde von drei Interviewpartner*innen gesagt, dass es auffällig sei, dass es immer weniger Schnee gäbe. Ein Mann (Mitte 40) hat den Fakt, dass es weniger Schnee gibt, positiv gewertet, da es dadurch weniger Lawinen gäbe und somit auch weniger Gefahren im Winter. Die anderen beiden, die die wenige Schneemenge nannten, sagten außerdem, dass der Schnee später fallen würde – so gäbe es beispielsweise keine Schneesicherheit an Weihnachten mehr, was früher ganz normal war. Ein älterer Herr knüpfte eine ganze Wirkkette von der Tatsache aus, dass es wärmer werde hin zu sozioökonomischen Auswirkungen: Durch die Erwärmung schmelze der Schnee leichter im Winter, dadurch komme es zu weniger Tourismus, was sich wiederum negativ auf die Arbeitsplätze im Ort auswirke.

Ein weiterer großer Aspekt, welcher in den Interviews aufkam, war die Gletscherschmelze. Diese wurde von drei der Interviewten explizit als große Naturveränderung wahrgenommen und auch mit persönlichen Erfahrungen verknüpft, da früher das Ende des örtlichen Minstigergletschers früher leicht zu Fuß zu erreichen gewesen sei. Ein Mann nennt auch, dass es vermehrt zu Murgängen käme, dies in anderen benachbarten Regionen aber noch schlimmer sei als bei ihnen in Münster. Auch eine befragte Frau befürchtete, dass es in Zukunft zu mehr Hangrutschen käme, vor allem durch Regen. Ein pensionierter Mann meinte dahingegen, dass es auch mehr Lawinen im Winter gäbe. Dies begründete er damit, dass es mehr Niederschläge und Schnee im Winter gäbe. Diese Aussage steht in starkem Kontrast zu dem vorher zitierten Mittvierziger, welcher weniger Lawinengefahr sieht.

Von einem der Befragten wurde eine vermehrte Trockenheit im Sommer wahrgenommen. Allgemein nannten mehrere, dass es insgesamt zu mehr Wetterschwankungen und -extrema kommen werde, dass sich die Naturereignisse vermehren werden und das Wetter allgemein turbulenter werden werde. Diese zukünftigen Veränderungen seien aber nur sehr schwer vorhersagbar, so zwei der Dorfbewohner*innen. Des Weiteren sagten auch drei der Interviewten, dass sie nicht daran glauben würden, dass es zu viel größeren Veränderungen käme als es sie ohnehin schon immer gegeben hätte.

Eine etwas außer der Reihe stehende Aussage in Bezug auf die sich verändernden Naturereignisse, war die Nennung der Wölfe. Die beiden befragten Ehepaare sagten, dass die Wölfe heute bis in die Dörfer kämen, was früher nicht der Fall gewesen sei.

Alles in allem werden also im kleinen Ort Münster durchaus diverse Natur- und Wetterveränderungen wahrgenommen und auch oft in Bezug zu dem sich verändernden Klima gesetzt. Dennoch meinten drei der befragten Dorfbewohner*innen, dass es insgesamt keine großen Veränderungen gäbe, da man ja auch schon so einige seit jeher gewohnt sei.

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IV. Welche Naturereignisse verbinden die Gomser*innen mit dem Klimawandel?

verfasst von Roxana Zimmermann

Als hochalpine Region ist das Goms sicherlich stark mit den Auswirkungen des Klimawandels verbunden. Das Abschmelzen des Rhone-Gletschers und eine verkürzte Wintersaison sind nur die offensichtlichsten Symptome der kontinuierlichen Erwärmung. Aber welche ungewöhnlichen Naturereignisse nehmen die Bewohner*innen der Region eigentlich selbst wahr, und setzen sie das in Bezug zum Klimawandel? Dieser Frage gingen wir in einer kleinen „Forschungsgruppe“ von fünf Studis im Rahmen unserer Schweizexkursion am 23.09.2018 nach. An diesem sonnigen Sonntagvormittag befragten wir insgesamt acht Einwohner*innen aus dem Dorf Münster/Obergoms zu dem Thema.

Das Ergebnis: Die Münsteraner*innen verknüpfen ganz unterschiedliche Ereignisse mit dem Klimawandel und bewerten sie zum Teil negativ, zum Teil auch positiv.

Große Einigkeit herrschte bei den Befragten darüber, dass es in den letzten Jahren deutlich wärmer geworden ist. Und auch der Rückgang des Rhone-Gletschers war Vielen natürlich negativ aufgefallen. Sehr auffällig war, dass die Mehrheit (fünf von acht Personen) betonte, dass es in der Region seit jeher Naturereignisse, wie Lawinen und Hochwasser, gegeben hat. Und auch das lokale Klima war im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Veränderungen unterlegen, verriet uns eine Münsteranerin. So war vor langer Zeit im Nachbardorf Oberwald Wein angebaut worden. Und bereits im 19. Jahrhundert hat es wegen einer anhaltenden Trockenperiode eine Auswanderungswelle nach Argentinien gegeben. Diese Begebenheiten scheinen tief im kollektiven Gedächtnis im Obergoms verankert zu sein, so dass viele Befragte die Meinung äußerten, dass mensch auf solche Naturereignisse keinen Einfluss habe. Allerdings stellten auch zwei Personen eine direkte Verbindung zwischen den klimatischen Veränderungen und einer Häufung von Extremereignissen her. So sagte uns beispielsweise eine Mann, dass es in der Region wegen des abschmelzenden Permafrosts zu mehr Murgängen kommen würde. Denn wenn die Stabilität des Bodens durch die Eisschmelze abnimmt begünstigt das Erdrutsche. Dieser Mann war sich auch sicher: „Am Klimawandel sind wir alle dran schuld!“ Ein junger Befragter schien das Thema Klimawandel dagegen ziemlich satt zu haben. Auf die Frage, woran es liegt, dass es im Obergoms in den letzten Jahren weniger geschneit hat, sagte er: „Ich sag jetzt mal nicht Klimaänderung.“

Ist der Klimawandel – „wenn es ihn denn gibt“ – nun für die Region ausschließlich negativ, oder gibt es gar auch positive Aspekte? Teils, teils. Viele Münsteraner*innen machen sich Sorgen wegen der Strukturveränderungen in ihrem Dorf. Denn schließlich hängt am Wintertourismus mit Hotels, Skiverleihen und Tourismusbüros ein ganzer Erwerbszweig. Daher fragen sich die Bewohner*innen was damit passiert, wenn es in Zukunft weniger Schnee gibt. Und auch das verstärkte Ausbauen der Wasserkraft machte einem Befragten Sorgen. Das ist zwar eine kurzfristige Lösung, um das Schmelzwasser der Gletscher in den nächsten Jahrzehnten abzufangen. Aber was passiert, wenn auch der letzte Kubikzentimeter Eis geschmolzen ist?

Eine Landfrau sah aber auch positive Folgen der Klimaerwärmung. Schließlich gäbe es bei weniger Schnee auch immerhin eine geringere Lawinengefahr. Und in der Landwirtschaft sei bereits jetzt der Anbau neuer Sorten möglich.

Zusammenfassung

Insgesamt sehen 87,5 % der befragten Münsteraner*innen einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und Naturereignissen im Goms. Das hat sicherlich zum Teil mit der hochalpinen Lage der Region zu tun. Bereits 1987 hat man hier nach einem Hochwasser (sh. Foto), das durch einen Abbruch am Minstigergletscher ausgelöst wurde, über die Veränderungen des Klimas gesprochen. Daher gibt es in der Region schon lange ein Bewusstsein für Naturgefahren, auch wenn sie nicht immer direkt auf den Klimawandel zurück geführt werden. Die Bewohner*innen scheinen sich allerdings mit diesen natürlichen Risiken arrangiert zu haben und die wenigsten sind darüber im Moment ernsthaft besorgt. Schließlich soll vor langer Zeit der Heilige Antonius selbst den Teufel daran gehindert haben einen riesigen Felsbrocken auf das Dorf zu rollen (sh. Foto). Möge der Schutzpatron dem Obergoms auch in Zukunft so positiv gesinnt sein!

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Gedenktafel am Dorfbrunnen
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Historische Information

V. Für Einwohner*innen bedeutende Entwicklungen im Goms

verfasst von Miriam Eder

Eigentlich war unser Ziel herauszufinden, ob Naturereignisse von den Bewohner*innen des Goms mit dem Klimawandel in Verbindung gesetzt werden, beziehungsweise welche Naturereignisse überhaupt als Risiken wahrgenommen werden. Die sich aus unseren Fragestellungen entwickelnden Gespräche und auch die Offenheit, mit der uns die Bewohner*innen begegnet sind, haben uns aber ein differenziertes Bild der Situation im Goms aufgezeigt.

In Bezug zum Klimawandel müsste sich stärker mit dem Sommertourismus beschäftigt werden, derzeit ist vor allem der Tourismus im Winter ausgeprägt. Allerdings findet eine bewusste Auseinandersetzung kaum statt. Wie uns mitgeteilt wurde, gibt es in der Schweiz das Sprichwort „mir kommen die Gomsele“, was gleichbedeutend mit einer sehr langsamen Reaktionsfähigkeit ist. Dass uns dies von den Bewohner*innen selber mitgeteilt wurde, kann für einen gesunden Humor aber auch Resignation sprechen. Auch wenn den Bewohner*innen der Klimawandel bewusst ist und Naturereignisse zum Bergleben dazugehören, sind es nämlich andere Entwicklungen, die die Menschen bewegen und die eine höhere Bedeutung haben, als mögliche Anpassungen an den Klimawandel.

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Traditionelles Stadel zur Lagerung von Getreide

Die zentrale Entwicklung im Goms ist die Abwanderung von Einwohner*innen beziehungsweise sinkende Zahlen dieser. In diesem Zusammenhang wurden von den Befragten weniger Kinder wie auch weniger junge Leute genannt und die damit in Zusammenhang stehenden verringerten Möglichkeiten, in die Schule zu gehen. Durch die sinkende Zahl der Einwohner*innen bestehen zudem weniger Berufsmöglichkeiten, auch mussten Gemeinden fusionieren. Die Art, wie dies mitgeteilt wurde, lässt eine Verunsicherung in der eigenen Identität vermuten. Unter diesem Gesichtspunkt bekommen der Strukturwandel in der Landwirtschaft, nicht grün angemalte Strommasten und die Einführung des Zweitwohnungsgesetzes eine andere Bedeutung.

Für Außenstehende mag es nicht entscheidend sein, ob Kühe oder Flächen subventioniert werden. Für das Goms bedeutet es aber, dass nicht mehr jeder auch Bauer ist, sondern dass es nur noch einzelne große gibt. Früher hatte jeder Bauer 7 Kühe und konnte sich ernähren, heute fehlt dieser Teil der Identität. Noch weniger schlimm sind für uns die neuen nicht grünen sondern grauen Hochspannungsmasten, die den Strom ins Tessin übertragen. Auch wenn diese nicht per se schön aussehen, haben sie doch ihre Berechtigung. Wenn die Landschaft aber eins der letzten Vorteile gegenüber anderen Tourismusdestinationen ist, macht es einen Unterschied, ob man Strommasten suchen muss, oder ob sie eindeutig zu erkennen sind. Unsere Info darüber, dass die Strommasten (nach dem sie bereits in Benutzung sind) doch angemalt werden sollen, sorgte einerseits für Belustigung, vor allem aber war eine deutliche Erleichterung zu bemerken.

Und so sehr es Sinn macht, dass seit dem Zweitwohnungsgesetzt nur noch Gemeinden weitere bewilligen dürfen, die weniger als 20% dieser haben, um einer Zersiedelung der Landschaft entgegen zu wirken, so sehr sorgt eben dies dafür, dass ehemalige Einwohner*innen, die nur an anderen Orten eine Arbeit gefunden haben, die Dörfer ganz verlassen. Auch wenn man sicher in Frage stellen sollte, ob diese wenig genutzten Wohnungen den Dörfern und Gemeinden wirklich helfen, bedeutet es eine endgültige Abwanderung der Menschen.

Der Klimawandel ist also ein Problem, aber für diese Dörfer nicht das Zentrale. Gleichwohl bleibt durch die geringe Anzahl der Befragten nur das Gefühl, überhaupt Menschen im Goms begegnet zu sein und einen sehr kleinen Einblick in ihr Leben bekommen zu haben.

Interviews mit Tourismusbetreiber*innen

I. Einleitung: Auswirkungen des Klimawandels auf Tourismusbetriebe im Goms

verfasst von Franziska F.

Der Tourismus stellt in der Schweiz einen wichtigen Wirtschaftszweig dar. Das Goms bietet in diesem Rahmen einen wichtigen Beitrag durch das Angebot im Sommer-, wie auch im Wintertourismus. Allerdings hat der Klimawandel auch Auswirkungen auf den Tourismus und den daran beteiligten Akteuren. Für die künftige Entwicklung des Tourismus im Goms ist es deshalb wichtig die Veränderungen in der Vergangenheit, die aktuellen und noch kommenden Auswirkungen des Klimawandels zu kennen und zu verstehen.

Im Rahmen der Exkursion wurde die Möglichkeit genutzt mit Tourismusbetrieben vor Ort zu sprechen, um ihre Wahrnehmung der Auswirkungen des Klimawandels sowie die damit verbundenen Chancen und Risiken zu erfahren.

II. Methodik: Forschungsfrage, Annahmen und Interviewleitfaden

verfasst von Franziska F.

Für die empirische Übung wurde zunächst eine übergeordnete Forschungsfrage anhand von zuvor festgelegten Annahmen erarbeitet.

Die Annahmen:

  • Tourismusbetriebe sehen Chancen und Risiken durch den Klimawandel.
  • Der Sommertourismus profitiert vom Klimawandel.
  • Der Wintertourismus leidet durch den Klimawandel.
  • Der Tourismus ist durch Naturgefahren und deren Folgen gefährdet.

Die in der Gruppe gemeinsam aufgestellten Annahmen dienten dazu die Forschungsfrage zu entwickeln.

Die Forschungsfrage:

Wie nehmen Tourismusbetriebe die aktuellen Auswirkungen des Klimawandels auf den Tourismus im Goms wahr und welche Chancen und Risiken sehen sie gegenwärtig und in Zukunft für sich als Tourismusbetrieb?

Im Anschluss an die Entwicklung der Annahmen und Forschungsfrage wurden die Leitfragen für die Durchführung der Interviews entwickelt.

Der Interviewleitfaden:

  1. Hat sich der Tourismus im Goms in den letzten Jahren verändert? Wenn ja, wie?
  2. Was verstehen Sie unter Klimawandel?
  3. Welche Auswirkungen des Klimawandels stellen Sie im Goms fest?
  4. Beeinflussen diese den Tourismus in der Region?
  5. Welche Chancen & Risiken sehen Sie für Ihren Betrieb gegenwärtig und in der Zukunft in Zusammenhang mit dem Klimawandel?
  6. Welche Visionen haben Sie für ihren Betrieb und wie/ mit welcher Strategie haben Sie vor, diese zu erreichen? (Spielt der Klimawandel dabei eine Rolle?)

III. Ergebnisse aus den Interviews

Transformation im Tourismus

verfasst von Franziska F.

Im Rahmen der Interviews wurden u.a. generelle Veränderungen im Tourismus festgestellt:

  • Die Touristen buchen kurzfristiger und ihre Aufenthaltsdauer ist kürzer, allerdings kommen sie häufiger.
  • Es ist ein Trend von älteren zu jüngeren Gästen festzustellen.
  • Der Sommertourismus hat an Bedeutung gewonnen. (Erklärt wird dies durch die Möglichkeit der Abkühlung in den Schweizer Sommernächten, die weiterhin relativ kühl sind.)
  • Die Nachfrage nach Mountainbiking und Schneewanderungen hat zugenommen.
  • Der Internetauftritt von Tourismusbetrieben gewinnt an Wichtigkeit (z.B. Facebook, booking.com).
  • Die Touristen verlangen mehr Leistung für weniger Geld.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass die Tourismusnachfrage flexibler wurde. Die Gründe hierfür können auch, aber nicht nur dem Klimawandel und dessen Auswirkungen zugeschrieben werden. Generell lässt sich ein Wandel in der Tourismusnachfrage feststellen, der auch aufgrund von Konsumverhalten und Reisetrends stattfindet. Dennoch sind einige Veränderungen, wie z.B. die Bedeutung des Sommertourismus, die zunehmende Nachfrage an Mountainbiking und das kurzfristige Buchungsverhalten aufgrund von unsicheren Wetterbedingungen, auf die veränderten Klima- und Wetterverhältnisse zurückzuführen.

Klimawandelwahrnehmung von Tourismusbetreiber*innen im Goms

verfasst von Sarah Olbrich

In unseren Interviews interessierte uns unter anderem, wie Tourismusbetreiber*innen den Klimawandel wahrnehmen. Im Zuge dessen sind interessante Aspekte zum Umweltbewusstsein genannt worden.

Beobachtungen zu Klimaänderungen: Wärmere Sommer – Mildere Winter

Die Beobachtungen der Tourismusbetreiber*innen bezüglich der Wetteränderungen deckten sich größtenteils mit dem, was wir während der Exkursion über den Klimawandel in der Region gelernt hatten. Die Tourismusbetreiber*innen berichteten, dass die Sommer heißer und trockener werden. Damit einhergehende Ereignisse wie Waldbrände werden auf diese Änderungen im Klima zurückgeführt. Zu beachten bei der Auswertung ist allerdings, dass dieser Sommer in der Schweiz einer der heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnung war. Zudem beobachteten die Hoteliers, dass die Winter milder werden. Im Winter fällt weniger Schnee und sie befürchten, dass zukünftig die Schneesicherheit in Frage gestellt werden könnte. Auch wurde der Rückgang der Gletscher der Region genannt und auf den Klimawandel zurückgeführt. Interessant war jedoch, dass der Anstieg des Naturgefahrenrisikos nicht genannt wurde. In einer anderen alpinen Ortschaft, die wir besuchten, war dies ein sehr präsentes Thema.

Widersprüchliche Ansichten bezüglich des Klimawandels

Uns interessierte auch, was die Hoteliers unter dem Klimawandel verstehen. Dabei kamen teils widersprüchliche Aussagen. Denn obwohl die Hoteliers größtenteils die Wetteränderungen und Auswirkungen wahrnahmen und benannten, führten sie diese nicht zwingend auf den Klimawandel zurück. Dies zeigen Aussagen wie „wenn’s denn wirklich stimmt mit dem Klimawandel“  und die geäußerte Hoffnung, dass zukünftige Winter wieder kälter und schneereicher werden sowie die Vermutung eines Hoteliers, dass die Wetteränderungen auf natürliche Schwankungen zurückzuführen sei und dass auf eine jetzige Heißzeit eine neue Eiszeit kommen könnte. Trotzdem wird als von einigen Hoteliers der Klimawandel auf das menschliche Handeln zurückgeführt. Ein Befragter sagte uns: „Klimawandel ist, weil wir sündigen.“  Daraus lässt sich schließen, dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem eigenen Konsumverhalten und die Wirkung dessen auf das Klima gezogen wird.

„Klimawandel ist nichts anderes als Verbote.“

Zwei der Befragten verbanden den Klimawandel mit Verboten und gesetzlichen Einschränkungen. Dabei empfanden sie die gesetzlichen Bestimmungen zum Zweck des Klimaschutz als lästige Restriktionen. Gleichzeitig vermuteten sie jedoch, dass diese notwendig seien, um eine Änderung im (Konsum-) Verhalten der Menschen zu erwirken um etwas für den Klimaschutz zu tun.

Hoteliers mit hohem Umweltbewusstsein

Die Mehrheit der Befragten zeichneten sich durch ein hohes Umweltbewusstsein aus. Dies zeigte sich zum Beispiel daran, dass der Einsatz der Schneekanonen im Winter zur Beschneiung der Langlauf-Loipe kritisch gesehen wurde. Argumentiert wurde, dass die Schneekanonen einen hohen Energiebedarf haben und somit schädlich fürs Klima sind und dass der Einsatz zur Wasserknappheit beiträgt. Zudem boten zwei der Hoteliers regionale und/ oder saisonale sowie ökologische Produkte an. Dies taten sie jedoch nicht nur aus eigener Überzeugung, sondern auch um auf einen Trend einzugehen. Die Hoteliers beobachteten, dass von ihren Gäst*innen vermehrt ökologische Produkte nachgefragt wurden. Ein Betreiber stellt seine Unternehmensstrategie auf Nachhaltigkeit um. Nachhaltigkeit war für ihn nicht nur beim Umbau seines Hotels wichtig und in dem Verzicht auf Plastik soweit möglich, sondern spiegelt sich auch in seinem derzeitigen und zukünftigen Angebot für seine Gäst*inne wieder.

Zwischenfazit

Die Interviews zeigen einige Gegensätze auf. Obwohl Änderungen im Wetter und Klima beobachtet wurden und größtenteils auf das menschliche Handeln zurückgeführt wurden und manche Befragten gar eine Änderung im Konsumverhalten forderten, bringen sie Wetteränderungen nicht mit dem Klimawandel in Verbindung oder Bezweifeln sogar dessen Existenz. Dennoch weisen viele Befragte ein hohes Umweltbewusstsein auf und setzen ihr Hotel teils auf einen nachhaltigen Betrieb um.

Chancen und Risiken für Tourismusbetriebe in der Region Obergoms aufgrund von Klimaveränderungen

verfasst von Laura Gumbert

Insgesamt identifizierten die Befragten aufgrund von Änderungen im Rahmen des Klimawandels Vor- und Nachteile für ihre Betriebe, Chancen wurden jedoch überwiegend für den Sommertourismus erkannt.


 

Als bemerkbare Auswirkung des Klimawandels fielen während der Interviews bei den Befragten vor allem Hitze und steigende Trockenheit und als Folge daraus unter anderem Waldbrände auf. Ein Anstieg des Naturgefahrenrisikos wurde dennoch weitestgehend nicht wahrgenommen.

Die milderen Winter mit abnehmenden Schneemengen, dafür steigender Schneegrenze, dem Rückgang der Gletscher und der Permafrostdegradation wurden als unberechenbarere Wetterverhältnisse kategorisiert.

Vor allem Tourismusbetriebe wägen Chancen und Risiken durch den Klimawandel ab, um auch in Zukunft auf die Nachfrage seitens ihrer Kunden eingehen zu können. Hier war vor allem festzustellen, dass der Sommertourismus vom Klimawandel profitiert und dass der Wintertourismus durch den Klimawandel leidet, wodurch die Betriebe Eingehen auf veränderte Nachfrage und Trends eingehen müssen.

Chancen

Steigender Sommertourismus

  • Längere Sommersaison
  • Städter suchen Abkühlung (kühlere Nächte)

Veränderung des Angebots:

  • Zunahme von Wandertourismus & Mountainbiking
  • Strandtourismus verliert an Attraktivität

> Chancen wurden hauptsächlich für den Sommertourismus identifiziert

Risiken

Möglicherweise in Zukunft sinkende Besucherzahlen im Wintertourismus

  • Unklarheit über zukünftige Schneesicherheit
  • Wirkung von Schneekanonen auf Touristen?
  • Wasserknappheit
  • Geschäftseinbußen durch weniger Wintertourismus

> Risiken werden vor allem im Wintertourismus gesehen, Sommertourismus hingegen bietet Chancen

Der Tourismus ist durch Naturgefahren und deren Folgen gefährdet. Allerdings sind die widersprüchlichen Ansichten bezüglich des Klimawandels und nicht – „Klimawandel ist nichts anderes als Verbote.“ / „Klimawandel ist, weil wir sündigen.“ / „Wenn‘s denn wirklich stimmt mit dem Klimawandel“ – möglicherweise zurückzuführen auf unterschiedlich stark ausgeprägtes Hintergrund- und Fachwissen.

Auch die Ansichten bezüglich des Umweltschutzes in Zusammenhang mit dem Einsatz von Schneekanonen, um den Wintertourismus trotz der Klimaänderungen und der steigenden Temperaturen und des unberechenbaren Witterungsverhaltens aufrechterhalten zu können, variierte enorm von Interviewpart*in zu Interviewpartner*in. Teils wurde Verantwortung im menschlichen Handeln und im Verhalten der Betriebe erkannt, teils auf die zukünftige Existenzsicherung geachtet. So konnte die anfängliche Annahme, dass „Tourismusbetriebe Chancen und Risiken durch den Klimawandel sehen“ eindeutig bestätigt werden.

Anpassungsstrategien von Tourismusbetrieben im Goms

verfasst von Julian Spöcker

Im Rahmen der Interviews haben wir nicht nur versucht, Chancen und Risiken durch die Auswirkungen des Klimawandels auf Tourismusbetriebe im Goms zu erfassen. Ziel war es auch, herauszufinden, ob die befragten Betriebe strategische Überlegungen hinsichtlich einer Anpassung an den Klimawandel anstellen bzw. bereits Strategien entwickelt haben. Dabei wurde ersichtlich, dass auf betrieblicher Ebene andere Probleme und Herausforderungen wie beispielsweise Veränderungen im Buchungsverhalten der Touristen als bedeutender als eine Anpassung an den Klimawandel beurteilt und daher dringlicher behandelt werden. Vier der fünf befragten Tourismusbetriebe verfolgen keine Anpassungsstrategie bezüglich des Klimawandels und führen auch keine seriöse Auseinandersetzung mit potenziellen Auswirkungen auf den Betrieb. Die Ausnahme stellt ein Betrieb dar, dessen Geschäftsführer mitteilte, aufgrund des Klimawandels sein touristisches Angebot vor allem in der Wintersaison erweitern und neben sportlichen Angeboten vermehrt auf Wellness sowie neue interne Kursangebote setzen zu wollen. Dies soll im Sinne einer Diversifizierung des Einkommens sowie des touristischen Angebots als Maßnahme dienen, den Betrieb im Hinblick auf einen möglichen Rückgang des Wintertourismus besser aufzustellen. Von einigen Betrieben wurden zudem Entwicklungen erwähnt, welche als Anpassung an den Klimawandel auf regionaler Ebene beurteilt werden können. So wurden sowohl der Ausbau von Mountainbike-Strecken zur Förderung des Sommertourismus und Erschließung neuer Zielgruppen als auch der Betrieb von Schneekanonen zur Sicherung der Schneesicherheit als Maßnahmen genannt.

IV. Fazit zu den Interviews mit Tourismusbetrieben

verfasst von Julian Spöcker

Hinsichtlich unserer vor den Interviews formulierten Annahmen ergibt sich folgendes Ergebnis:

  • Tourismusbetriebe sehen Chancen und Risiken durch den Klimawandel.

Diese Annahme hat sich bestätigt. Beinahe alle befragten Betriebe erläuterten sowohl Chancen als auch Risiken durch den Klimawandel auf den Tourismus im Goms. Bezüglich der Auswirkungen des Klimawandels auf den eigenen Betrieb antworteten die Befragten hingegen deutlich ungenauer.

  • Der Sommertourismus profitiert vom Klimawandel.

Auch diese Annahme kann als bestätigt angesehen werden. Jeder Betrieb konnte positive Auswirkungen des Klimawandels auf den Sommertourismus im Goms nennen.

  • Der Wintertourismus leidet durch den Klimawandel.

Auch diese Annahme wurde von allen befragten Betrieben bestätigt. Es scheint eine gemeinsame Gewissheit zu geben, dass der Klimawandel sich negativ auf den Wintertourismus auswirkt bzw. noch auswirken wird.

  • Der Tourismus ist durch Naturgefahren und deren Folgen gefährdet.

Diese Annahme konnte nicht bestätigt werden. Mit Ausnahme einer einmaligen Erwähnung von Waldbränden wurden Naturgefahren nicht als entscheidende Faktoren erwähnt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass aktuelle Auswirkungen des Klimawandels zwar teilweise von Tourismusbetrieben im Goms wahrgenommen werden, diese jedoch zumeist keine entsprechende Anpassung beabsichtigen. Dies hängt einerseits damit zusammen, dass die Betroffenheit durch andere Transformationen im Tourismus als größer wahrgenommen wird und andererseits Veränderungen der Umwelt selten direkt mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden.

sdr
Blick nach Norden auf die Rhône bei Sand (Obergoms) 
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